Gastartikel: Entgiftungskuren für den Hund

Detox für den Hund – wieder ein neuer Trend oder ist das tatsächlich etwas sehr Sinnvolles? Wir haben eine Gastautorin für euch, die sich genau mit dem Thema beschäftigt: Susanne Legat ist Tierheilpraktikerin mit Schwerpunkt Homöopathie, Ernährung und Entgiftung, sie praktiziert in ihrer eigenen Praxis in München. Die von ihr entwickelte Entgiftungskur wird herstellerunabhängig und für jeden Hund individuell angepasst.

Gastartikel: Entgiftungskuren für den Hund – Modeerscheinung oder sinnvolle Maßnahme?

„Wenn man beim Begriff „Detox“ weniger an Promi-Diäten und Marketing als an Greenpeace-Kampagnen und Gesundheit denkt, kommt man der Antwort schon sehr nahe.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht neue gesundheitsgefährdende Stoffe in Textilien, Spielsachen oder unseren Nahrungsmitteln gefunden werden. Immer mehr Bücher und Veröffentlichungen beschäftigen sich mit der Problematik von gesundheitsschädlicher Nahrung, den Auswirkungen von übermäßigem Einsatz von Antibiotika, Impfungen, fraglichen Medikamenten.

Das alles betrifft natürlich auch unsere Tiere. Hier hat glücklicherweise ebenfalls ein Umdenken begonnen.

Auch wenn vieles dogmatisch erscheint, umstritten bleibt und „Barfen“ nicht die Antwort auf alles und Lösung für jeden ist, darf davon ausgegangen werden, dass eine weitestgehend naturbelassene, gesunde Ernährung von größter Bedeutung für die Gesundheit unserer Tiere ist.

Gesundheitsgefährdende Stoffe in unseren Nahrungsmitteln
Gesundheitsgefährdende Stoffe in unseren Nahrungsmitteln (Quelle: Fotolia)

Sozusagen als Antwort auf gesundheitlich bedenkliches Futter und den Mangel an Vitaminen und Spurenelementen durch industriell verarbeitete Rohstoffe und ausgelaugte Böden hat sich eine neue Industrie etabliert, die mit „artgerechtem“ Futter, Vitaminprodukten, Mineralien, „Superfoods“ und Nahrungsergänzungsmitteln den Markt überflutet.

Futterverkäufer treten zunehmend als Ernährungsberater in Erscheinung und „testen“ das passende Futter + Zusätze aus dem eigenen Sortiment gerne gleich mittels fragwürdigen Methoden aus. Den Rest erledigen Internetforen.

Auch hier geht es wieder um Marktanteil und Rendite und leider muss man auch hier ganz genau hinsehen, ob Futter und Ergänzung so „bio“ sind wie sie scheinen und nicht etwa schwermetallhaltig, pestizidbelastet, über-/unterdosiert, usw., also am Ende überhaupt notwendig oder sogar mehr schädlich also nützlich.

Der „Detox“-Trend setzt dem Ganzen noch die Krone auf: zwar ist es sicher besser von Zucker- und zusatzstoffhaltigen Erfrischungsgetränken mal auf Detox-Tee umzusteigen. Doch macht es wenig Sinn, wenn die Kräuter und andere Inhaltstoffe darin aus konventionellem Anbau stammen und sich auch sonst an der täglichen Zufuhr von bedenklichen Stoffen nichts ändert.

Der „Detox“-Trend
Der „Detox“-Trend

Umweltgifte – wo sie lauern und wie man ihnen entkommt

Feinstaub und Schadstoffe werden über die Atemwege aufgenommen und gelangen durch Ablecken von Fell/Haut und Pfoten in den Organismus

Daran sollte man auch denken, wenn man sich frisch eingecremt hat, Parfum verwendet oder eine medizinische Salbe benutzt. A) Nicht ablecken lassen, noch besser: A) und B) Bio-Pflegeprodukte benutzen.

Umweltgifte – wo sie lauern und wie man ihnen entkommt
Umweltgifte – wo sie lauern und wie man ihnen entkommt (Quelle: Fotolia)

Fahrradfahren und Laufen an verkehrsreichen Straßen

Möglichst am Ende eines solchen Weges noch eine Strecke über –falls vorhanden- nasses Gras oder frischen Schnee laufen. Emissionen sind nicht nur als Abgase und Feinstaub in der Luft, sondern schlagen sich am Boden nieder; auf Asphalt sammeln sich zudem weitere giftige und schwermetallhaltige Stoffe, Mineralöle und Säuren von Fahrzeugen.

Feinstaub und Schadstoffe gelangen durch das Ablecken der Pfoten in den Organismus
Feinstaub und Schadstoffe gelangen durch das Ablecken der Pfoten in den Organismus

Reinigungs- und Pflegeprodukte im Haushalt

Abgesehen davon dass der übermäßiger Einsatz von Chemikalien die Umwelt schwer belastet, „Hygienereiniger“ nahezu sinnlos sind (wenn nur 99% der Viren und Bakterien getötet werden, vermehren sich die restlichen trotzdem recht munter), gelangen sie auch durch direkten Hautkontakt oder das Ablecken der Pfoten in den Organismus des Hundes. Dort gelangen sie in den Blutkreislauf, belasten Leber, Nieren, Darm, Immunsystem usw.

Halsbänder, Geschirre, Spielzeug und Liegeplätze sollten aus schadstoffgeprüften Materialien sein, Billigimporte z.B. aus China sind das selten.

Hunde in Ladengeschäften und Büros sind Elektrosmog, Feinstaub (Drucker), aggressiven Reinigungs-Chemikalien/Desinfektionsmitteln und oft synthetischen Duftstoffen ausgesetzt.

Passiv-Rauchen schadet unseren Tieren natürlich ebenso wie uns. Es versteht sich von selbst, dass wir hier auf unsere – uns ausgelieferten – Tiere achten und Rücksicht nehmen müssen.

Industriell hergestelltes Futter: Neben den bekannteren schädlichen Auswirkungen auf den Verdauungs- und Bewegungsapparat, verursachen Konservierungsmittel, Farbstoffe und Mikrotoxine im Futter auch Symptome wie Hyperaktivität und Verhaltensauffälligkeiten. Sie wirken ähnlich wie Hormone, sind neurotoxisch oder lösen Allergien aus (der Organismus hat die Aufgabe, körperfremde in körpereigne Stoffe umzubauen, dabei entstehen, meistens durch bestimmte Eiweiße in Fertigfutter, z.B. Immunkrankheiten wie Allergien).

Wie kann eine Schadstoffüberlastung verhindert werden?

Den wichtigsten und größten Beitrag kann jeder Hundebesitzer selbst tragen und zum Beispiel

  • weitgehend frisch, naturbelassen und unbehandelt füttern,
  • vor Entwurmungen durch Kotproben überprüfen, ob ein Befall überhaupt vorhanden oder relevant ist,
  • Therapieformen abwägen: viele Nebenwirkungen von Medikamenten können durch sog. Alternativmedizin wie z.B. Homöopathie vermieden werden. Sowohl bei akuten, leichten als auch bei schweren und chronischen Erkrankungen.
  • Stress vermeiden aber Reize schaffen – ein Hund leidet nicht nur unter Einsamkeit wenn er den größten Teil des Tages im Büroraum oder alleine in der Wohnung verbringen muss, sondern auch an Reizarmut und Langweile. Neben Bewegung im Freien brauchen Hunde auch Aufgaben, Abwechslung und Beschäftigung.
  • Vielleicht sollten wir einfach diesen ureigenen Bedürfnissen unserer Hunde mehr Zeit und Beachtung zu schenken als der Frage nach dem ultimativen Hunde-Flüsterer.

Henry

Die Liste ließe sich hier natürlich endlos fortsetzen, zu einzelnen Themen wie Impfungen, Therapieformen und Fütterung gibt es mittlerweile eine große Auswahl weiterführende Literatur.

Kann ich eine Entgiftungskur selbst durchführen?

Wir Menschen neigen zur Grobstofflichkeit und sind froh, wenn wir Mittelchen und Pülverchen nehmen und geben können, möglichst noch optisch ansprechend. Zum Glück gibt es Mittel wie z.B. Zeolith und Heilerden, die wir nahezu bedenkenlos einnehmen und auch unseren Tieren geben können…

Sobald eine Entgiftungskur jedoch einen therapeutischen Anspruch hat, intensiv auf den Organismus einwirken soll, ist man bei einer/m versierten/m Therapeutin/en gut aufgehoben.

Sie/ Er erkennt individuelle Schwächen und Angriffspunkte, hat das notwendige Wissen über pflanzliche u.a. Therapeutika und deren Wechselwirkungen. Ein/e gute/r Therapeut/in verkauft nicht nur irgendwelche Mischungen und Produkte. Sie/er sollte über eine solide und nachweisbare medizinische Grundausbildung verfügen, ständig Recherchearbeit leisten und „wissenschaftliche“ Studien genauso wie die im Handel befindlichen Heilmittel zu beurteilen wissen.

Ein Standard-Schema das für alle Hunde gelten soll oder fertige Detox-Mischungen sind weniger empfehlenswert und mit einer individuell, an den einzelnen Hund angepassten Kur nicht vergleichbar.

Detox your Dog Programm
Detox your Dog Programm

Therapeutisch erarbeitet ist eine Entgiftungskur dann besonders in folgenden Situationen wertvoll:

Im Anschluss an eine Behandlung mit Antibiotikum– durch eine Antibiose,also Einnahme bzw. Verabreichung eines Antibiotikums, sterben nicht nur schädliche Bakterien, sondern immer auch nützliche und lebenswichtigen Mikroorganismen, die den Darm vor einer Fehlbesiedelung schützen. Zudem entstehen toxische Stoffwechselprodukte durch absterbende Bakterien. Damit der Darm seine vielen wichtigen Aufgaben, u.a. Steueraufgaben des Immunsystems, übernehmen kann, ist es wichtig dass die Darmflora wieder aufgebaut wird.

Nach einer Narkose – zur „Ausleitung“; bestimmte Naturheilmittel können den Abbau und Ausscheidung der belastenden Narkosemittel fördern.

Entwurmung und Parasitenprophylaxe (Spot-on, Halsbänder usw.) – hier bietet sich eine Entgiftung zum Abbau und Abtransport von u.a. Zellgiften an.

Impfung – eine Impfung ist immer ein Eingriff in das Immunsystem, das damit sehr schnell überfordert sein kann. Abgeschlagenheit, Fieber und Sarkome nach der Impfung gehören zu den häufigsten und bekanntesten Folgen. Häufig werden etwas später auftretende Erkrankungen nicht mehr mit der Impfung in Zusammenhang gebracht, wie z.B. überschießende Reaktionen des Immunsystems, also Allergien, Asthma, Autoimmunerkrankungen. Auch viele Nervenerkrankungen stehen im Verdacht, von Impfungen ausgelöst zu werden.

Hier sollte die Entgiftung eine von mehreren therapeutischen Ansätzen auch mit dem Ziel der Regulation des Immunsystems sein.

Fertigfutter – wenn man seinem Hund –aus welchen Gründen auch immer – öfters als gelegentlich Fertigfutter zur Verfügung stellt.“

Eine Entgiftungskur ist also bestimmt keine Modeerscheinung für den modernen Großstadtmensch, sondern macht, richtig verstanden, auch für unsere Hunde großen Sinn.

Weiterführende Infos erhaltet ihr unter www.dogsdetox.com.

Love your dog

Dieser Artikel entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit Frau Susanne Legat. Die Bildrechte liegen bei bei ihr, wenn nicht anders gekennzeichnet.

Fotolia: Gifte in der Landwirtschaft Datei: #67817690 | Urheber: bluedesign
Fotolia: Rice farmers spraying. Datei: #101026118 | Urheber: keantian

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3 Gedanken zu „Gastartikel: Entgiftungskuren für den Hund“

    • Moin Edgar,

      du weißt, dass ich deine Kommentare grundsätzlich Ernst nehme, aber in diesem Fall kann ich deine Kritik ehrlicherweise nicht nachvollziehen.
      Nach meinem Empfinden ist der Text so geschrieben, dass Hundehalter sich Gedanken machen können, ob Entgiftungskuren sinnvoll für ihren Hund sind oder nicht. Die ganze Struktur und auch der Inhalt spiegelt für mich reine Information wieder zu einem Thema, dass möglicherweise polarisiert.

      Jedoch: Ein Gastartikel schließt keine Werbung aus. Daher finde ich es nur legitim, dass am Ende ein Link zu weiterführenden Informationen steht. Außerdem habe ich am Ende darauf hingewiesen, dass der Artikel in Kooperation entstanden ist.

      Viele Grüße
      Nicole




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  1. Hallo Nicole,

    ich finde den Artikel sehr gut geschrieben, sehr informativ, das Wichtigste aus meiner Sicht konzentriert zusammengefasst und auf den Punkt gebracht. Ich kenne Frau Legat seit vielen Jahren persönlich und weiß sie als absolut anständige und „koshere“ Persönlichkeit zu schätzen, der es wirklich um das Wohl der Tiere geht und nicht um irgendwelche reine Verkaufe! (Bin selbst ein Hundefreund, habe lange mehrere Jahre im Münchner Tierheim ehrenamtlich doggies Gassi geführt, solange es gesundlich gut ging. Sollte ich jemals wieder auf dem Lande leben, werde ich mir sehr gerne einen Hund aus dem Tierheim holen und Frau Legat wäre die Tierheilpraktikerin meines Vertrauens!).
    Persönlich sehe ich hier auch kein Werbeproblem, worauf Du ja entsprechend geantwortet hast.
    Finde Euren Blog sehr ansprechend und professionell gemacht. Wünsche Euch noch viele schöne Hundegeschichten und auch gut und interessant geschriebene Gastartikel, toi, toi, toi.




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