Einfach raus.

Zeit für Veränderung Teil 2

Nach meinem Artikel „Zeit für Veränderung“ erhielt ich unheimlich viele Nachrichten. Anscheinend gibt es viele Menschen da draußen, die es sich vorstellen könnten, mal für eine gewisse Zeit zu Reisen und unabhängig zu sein. Und es gibt die, die das Thema spannend finden, aber von sich aus sagen: Ich könnte das nicht.

Mich haben zu dem Thema „Ausstieg“ und „von unterwegs arbeiten“ eine ganze Menge Fragen erreicht. Bei manchen musste ich selber erst einmal überlegen, weil ich mir darüber bisher keine Gedanken gemacht habe. Auf andere hatte ich sofort eine Antwort parat. 😉

Deswegen dachte ich mir, ich mache mal eine kleine Fragen / Antworten Auflistung. So habe nicht nur ich es einfacher und kann auf den Artikel verweisen (ich Fuchs! *lach*) sondern ich kann mir immer wieder vor Augen halten, warum ich das Ganze mache und das es für jede Frage meistens auch eine Antwort gibt (selbst wenn man etwas suchen muss).

Viele Fragen, ein paar Antworten
Viele Fragen, ein paar Antworten

1. Woher nehmt ihr das Geld?

Das liebe Geld. Es scheint die wichtigste Frage auf dem Planeten zu sein: Wie könnt ihr euch das alles leisten, habt ihr gespart, Reisen ist doch teuer.

Ja, letzteres stimmt. Trotzdem möchte ich eines ganz klar betonen: Wir haben nicht vor, Urlaub zu machen. Wir werden ganz normal weiter arbeiten und genau das ist der Vorteil an unserem Job: Wir brauchen nur ein stabiles Internet, einen Laptop und ein schönes Plätzchen, an dem sich gut arbeiten lässt – mehr nicht.

Gespart haben wir natürlich trotzdem und machen es immer noch. Das ist aber auch etwas, das wir von Anfang an getan haben, denn wenn man Selbstständig ist, kann man sich auf nichts verlassen.

Was ihr Menschen immer mit dem Geld habt...
Was ihr Menschen immer mit dem Geld habt…

Außerdem sind wir nicht so konsum-orientiert, wie es vielleicht manchmal den Anschein hat. Die meisten Investitionen, die wir tätigen, haben irgendwas mit der Arbeit zu tun und sind so gedacht, dass sie entweder gut verkauft werden können oder eben mitkommen (gerade auf meine Kamera und die Objektive will ich ja nicht verzichten. 😉 ).

Wir leben bisher nicht auf großem Fuß und werden das auch in Zukunft nicht – mir ist es nicht wichtig, super gekleidet zu sein oder immer den neuesten Scheiß mein Eigen zu nennen.

Daher bin ich zuversichtlich, dass unser Geld auch in Zukunft immer ausreichen wird. Irgendwie geht es immer.

2. Was macht ihr mit Moe?

Eigentlich kann die Antwort darauf immer nur lauten: Ich verstehe die Frage nicht. Ja, was machen wir mit Moe? Der ist selbstverständlich dabei! Mitgegangen, mitgefangen.

Hallo - ich muss ja wohl mit!
Hallo – ich muss ja wohl mit!

Ich bin sicher und überzeugt davon, dass es Moe damit nicht schlechter gehen wird. Wirklich nicht. Sonst würde ich das nicht tun! Moe freut sich über jeden neuen Ort, er ist wahnsinnig gerne unterwegs. Woran wir arbeiten müssen: Am ehesten entspannt er sich zu Hause. Aber das ist genau der Punkt: Wenn das Wohnmobil sein Zuhause ist – dann sollte das auch kein Problem mehr sein.

Um die Ernährung unterwegs mache ich mir aktuell Gedanken, wir probieren eine Menge aus. Am liebsten möchte ich Moe nach dem ABAM Konzept ernähren: Abstauber bekommen alles Mögliche. Je nachdem, was vorhanden ist, gibt es frisches Fleisch, Gemüse, Obst, Quark, Trockenfutter, Nassfutter, Reste von unserem Essen.

Wie gesagt, das probieren wir gerade aus und es funktioniert erstaunlich gut: Kein Durchfall, kein morgendliches Übergeben und das Beste: Moe freut sich wie ein Schnitzel, wenn es unsere Reste gibt! Der letzte Rest Salat mit Hühnchen war ein Fest, das war herrlich mit anzusehen.

Überall ist es schön
Überall ist es schön

Was noch spannend wird, ist die Unterbringung während der Fahrt. Nächstes Jahr werden wir uns einige Wohnmobile anschauen (wenn es passt, auch noch dieses Jahr) und uns kundig machen, wie Moe am besten während der Fahrt gesichert ist – ob es eine Box hinter dem Fahrersitz wird oder, wie auf der DogsLive in Münster gesehen, ein eigenes Abteil hinten.

Die Frage: „Was macht ihr mit Moe“ möchte ich also in Zukunft bitte nicht mehr hören – danke! 🙂

3. Was passiert, wenn Moe alt ist?

Ganz ehrlich: Ich weiss es nicht. Ich weiß nicht, was passiert, wenn Moe nicht mehr so richtig kann. Das werden wir sehen und ausprobieren. Wenn ich merke, dass ihm das Reisen zu viel / zu anstrengend wird, legen wir eine Pause ein.

Dann ziehen wir uns vielleicht an einen Ort zurück, an dem wir uns alle wohlfühlen und geben Moe die Ruhe, die er dann vielleicht braucht.

Wir lassen uns frischen Wind um die Nase (Ohren) wehen
Wir lassen uns frischen Wind um die Nase (Ohren) wehen

Vielleicht kommt aber auch alles ganz anders und das Reisen hält ihn jung. Wir werden sehen und das unterwegs entscheiden – so wie auch wir sehen werden, ob das Unterwegs sein dauerhaft etwas für uns Menschen ist.

4. Wovor lauft ihr weg?

Mein Papa hat wohl die beste Frage aller Zeiten gestellt: Gibt es einen Haftbefehl gegen euch oder warum macht ihr das?

Zugegeben, als Polizist ist die Frage wohl naheliegend und auch so ist die Frage plausibel. Einen Haftbefehl gibt es (noch) nicht. Aber: Laufen wir denn weg? Wie immer kann ich das nur aus meiner Sicht beantworten. Ja, irgendwie ist es eine Art weglaufen. Und Fernweh. Und Langeweile. Und das Gefühl von „Das kann noch nicht alles gewesen sein“. Eine Mischung aus allem.

Weglaufen: Ich wollte schon immer weg von allem Gewohnten. Das biedere, spießige Leben ist nichts für mich, obwohl ich genau das jeden Tag lebe. Ich habe Prinzipien und Regeln, die sehr wohl spießig sind – die aber nichts mit der Art, WIE ich lebe, zu tun haben.

Fragen über Fragen...
Fragen über Fragen…

Für mich ist es schwer nachzuvollziehen, wie man sein Leben lang in einer Blase aus Arbeit, Familie und festem Wohnsitz, mit 3-6 Wochen Urlaub im Jahr, wirklich glücklich sein kann. Muss da nicht mehr Platz für mehr sein?

Für mich bleibt da nur die Flucht. Ich möchte nicht eingesperrt sein, genauso würde es sich für mich aber anfühlen. Ich möchte für mich selber entscheiden, wann und ob ich arbeite, wie lange, woran und was ich im nächsten Moment tue. Dieses Leben, dass andere für sich selber haben wollen (vermeintlich sicherer Job, Kinder, Ehe, Auto, alles durchgeplant und organisiert) ist für mich ein Albtraum.

Versteht mich nicht falsch: Ich respektiere das und bin die Letzte, die andere überzeugen will, genau so zu leben wie ich das für mich möchte. Es nachvollziehen, wie man so glücklich sein kann, kann ich aber nicht.

Ja, ich laufe weg. Vor genau diesem Leben, dass manche vielleicht glücklich macht – aber mich auf keinen Fall. Ich will das nicht.

Ich glaube, Frauchen hat vor allem Strandweh.
Ich glaube, Frauchen hat vor allem Strandweh.

Fernweh: Ich leide, seitdem ich denken kann, unter Fernweh. Anders als viele meiner Freundinnen damals hatte ich nie Heimweh, wie sich das anfühlt, weiß ich nicht – vielleicht kommt das unterwegs. Ich bin am Glücklichsten, wenn ich in der Welt unterwegs sein kann, wenn mein Gehirn viele neue Dinge aufnehmen und speichern kann, wenn ich mir Städte anschaue, Wälder, Strände. Alles ist besser als die gewohnte Umgebung, die ganze Welt ist ein Abenteuerspielplatz.

Sicher, es gibt auch Städte und Orte, die mir im Ganzen nicht so gut gefallen. Rom war mir zum Beispiel viel zu voll und dauerhaft würde ich da nicht leben wollen. Nichtsdestotrotz haben mich viele Dinge nachhaltig beeindruckt und ich bin froh, dass ich die Stadt einmal gesehen habe (und den Petersdom, den ich unglaublich schön finde).

Langeweile: Ich langweile mich schnell. Das bemerkt Moe wohl am ehesten auf den Gassirunden. 😉 Wie manche Menschen ihr Leben lang immer die gleichen Runden gehen können, geht mir nicht in den Kopf.

Ruhe kann auch mal ganz schön sein
Ruhe kann auch mal ganz schön sein

Leider müssen wir das auch immer wieder tun, denn wenn wir nicht unterwegs sind, bleibt manchmal nur der Weg durch die Nachbarschaft. SCHNARCHLANGWEILIG! Deswegen wechseln wir immer mal wieder ab. Jetzt, wo wir es wieder können, geht es an verschiedene Strände, über Felder, in Wälder. Jippie! 😀

Das kann doch nicht alles sein: Das hat nichts damit zu tun, dass ich chronisch unzufrieden bin mit meinem Leben an sich. Aber wie schon oben geschrieben: Für mich ist die klassische Art zu leben (noch) nichts. Ob sich das mal ändert? Wer weiß. 🙂

5. Fester Wohnsitz oder: Welche Meldeadresse habt ihr?

Deutschland, das Land der Papiere und der Bürokratie. Menschen, die sich für einige Zeit nicht in Deutschland aufhalten (aber dennoch hier ihre Steuern zahlen), brauchen einen festen Wohnsitz, bzw. eine Meldeadresse, zu der die Post kommt. Mööp.

Hier stehen wir noch vor der Entscheidung: Mieten wir ein Zimmer in einer WG und beauftragen dort jemanden, uns regelmäßig die Post zu schicken? Oder läuft es auf ein Zimmer bei den Eltern hinaus?

Für mich ist die Entscheidung klar, ich will nicht für ein Zimmer, das ich nicht nutze, Geld bezahlen. Mein Freund sieht das anders und so werden wir das noch ausdiskutieren. Oder es wird mit Schere, Stein, Papier entschieden. So.

6. Dann seid ihr ja Digitale Nomaden!

Digitale Was?
Digitale Was?

Keine Frage – ich weiß. Es muss trotzdem hier rein, denn ich fühle mich nicht als fancy und cooler digitaler Nomade. Ich mag den Begriff nicht. Wir arbeiten von unterwegs – das muss reichen. 😉 Und es gab schon immer Leute, die von unterwegs gearbeitet haben – das ist nichts absurd Neues, auch wenn es jetzt so einen coolen Namen dafür gibt.

7. Was macht ihr, wenn ihr mal krank werdet oder jemand in der Familie so krank ist, dass ihr zurück müsst?

Wenn wir krank sind, gehen wir entweder zum Arzt oder wir versorgen uns selber – normalerweise ist das nicht so schwer. Es gibt gute Auslandskrankenversicherungen und es ist in Europa erst einmal nicht so ein großes Problem, einen Arzt aufzusuchen.

Wenn in der Familie jemand sehr krank wäre, würden wir gegebenenfalls natürlich zurück kommen. Die Wege sind nicht so weit, und in den Flieger steigen kann zumindest einer immer im Notfall.

Ich übe schon mal fürs Tschüss sagen
Ich übe schon mal fürs Tschüss sagen

8. Ich würde ja auch gern, aber ich kann nicht…

Auch keine Frage, aber eine Aussage, die ich sehr, sehr gut verstehen kann. Manchmal braucht es einen Schubser von außen, manchmal reicht auch das selbstständige Hinterfragen: Würdest du wirklich gern? Oder suchst du eigentlich nur nach einer Ausrede, warum du es nicht kannst?

In den meisten Fällen ist es so, dass einen das „Abenteuer“ schon reizt, aber man sich vor den vermeintlichen Konsequenzen fürchtet. Es gibt immer Gründe, etwas nicht zu tun. Und gute Gründe, es dennoch zu versuchen.

Wir haben auch Angst, dass es schief geht. Angst, dass wir vielleicht gar nicht starten können. Angst, unterwegs zu versagen, unsere Beziehung nicht halten zu können, unseren Job nicht weitermachen zu können, pleite zu gehen undundund. Es gibt so viele Gründe. Und doch versuchen wir es. Wir tun alles dafür, dass wir starten können und hoffen, alle Klippen heil zu umschiffen.

Mehr Fragen? Schreibt mir!

Habt ihr Fragen?
Habt ihr Fragen?

Es gab und gibt natürlich immer noch mehr Fragen und mehr Antworten als die, die ich jetzt aufgelistet habe. Diese beziehen sich aber vor allem auf das Geschäftliche denn auf das Persönliche. Deswegen habe ich das mal ausgeklammert, da ich nicht denke, dass es für euch relevant ist.

Sollte das doch so sein, könnt ihr mir gerne eine Mail schreiben (me@moeandme.de) oder mich über Facebook anschreiben, ich antworte euch gern (Natürlich auch, wenn es noch andere, persönliche Fragen sind.). 🙂 Und natürlich freue ich mich darüber, falls jemand unter euch ist, der genau das auch plant und mir davon berichten mag! 🙂

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