Versuchen kann man es ja mal – Ein Sturkopf unterwegs.

Sturkopf Moe

Es hat durchaus Gründe, warum ich Moe manchmal „Mein kleines Eselchen“ nenne. Denn Moe ist stur. Und wie! Ich habe das Gefühl, mit steigendem Alter nimmt der Altersstarrsinn noch mal zu.

Vor einem Jahr etwa habe ich über Herrn Wunderlich berichtet. Und ehrlich: Eigentlich dachte ich, damit wäre das Thema auch durch. Oh, was habe ich mich getäuscht.

Mittlerweile ist die Situation aber eine andere. Während ich vor einem Jahr noch ordentlich damit zu kämpfen hatte, dass Moe sich irgendwie verändert und „seine Tage hat“, kann ich nun meist darüber schmunzeln (vor allem im Nachhinein).

Sturkopf Moe
Herr Wunderlich ist nicht immer leicht.

Ja, es ist nicht immer leicht, aber Moe ist gerade durch seine Macken liebenswert und ich genieße jeden Tag, an dem ich mit ihm zusammen sein kann.

Und so möchte ich, ein Jahr später, wieder über Moes größte Macke berichten: Seinen unglaublichen Sturkopf und seine Auswüchse.

Man kann es ja mal versuchen.

Ich habe immer gedacht: Ab 5-6 Jahren hat der Hund es kapiert. Es gibt Regeln und Verhaltensvorschläge, jeder weiß, woran er ist, wie was wann zu tun ist.

Pustekuchen. Es gibt Tage, da hat Moe entweder ein sehr lautes Eichhörnchen im Kopf, Konfetti oder aber er sagt sich: Ich versuch das jetzt mal.

Es gibt Ecken, an die wird nicht gepieselt. Aus und vorbei, da lasse ich nicht mit mir diskutieren: Zäune, Gartenbereiche, Spielplätze, Beete von der Stadt – da soll er nicht hinpieseln. Ist Moe aber manchmal egal.

An seinen Sturkopf-Tagen zieht Moe wie ein Irrer zum Beispiel Richtung Spielplatz. Ununterbrochen. Und obwohl er keine Chance hat (er ist mittlerweile häufig am Geschirr) und ich da auch nicht mit mir diskutieren lasse, versucht er es doch eine gewisse Zeit. Durchhaltevermögen hat er dann.

Moe der Sturkopf
Hier ist doch überall grün – was ist das Problem?

Er lässt sich übrigens auch nicht mit Leckerchen ablenken oder mit Spielzeug: Moe hat eine Mission, und die lautet: Spielplatz-Pinkeln.

Aber hey: Versuchen kann man es ja mal.

Und so zieht sich das unter Umständen auf einer Gassi-Runde durch. „Da darf ich nicht hinpinkeln? Mach ich aber.“ So wird aus einem eigentlich entspannten Gassi Gang ein ständiges Kontrollieren, dagegen halten, meckern und versuchen, Moe davon abzuhalten. Nervig ist das!

Und wenn er seinen Willen nicht bekommt, ich ihm Pipi- Vorschläge mache (Hier ist doch eine tolle Wiese, wie wäre das?), die er aber ablehnt – dann pieselt er einfach MITTEN AUF DEN WEG. Warum? Weil er es kann.

Mit dem Häufchen machen ist das übrigens nicht anders. Zu 99% hat er dafür seine Plätze, die er gerne nutzt. Zu 1% überlegt er sich mal einen neuen Platz. Wie neulich, als er direkt vor der Zahnarztpraxis anhielt und sich hinhockte.

Warum? Ich habe keine Ahnung. Wir sind vorher lange unterwegs gewesen. An allen Lieblingsplätzen vorbei gekommen. Aber der Steinweg vor der Praxis hatte wohl ein ganz eigenes Flair…

Die Spur

Genauso nervig und meist passiert das auf den Abendrunden: Wir stoßen auf eine Spur. Moe riecht irgendetwas und ist dann kein bisschen ansprechbar.

Wenn das tagsüber passiert und wir etwas Zeit haben, darf er die Spur meinetwegen auch gerne ein gewisses Stück abarbeiten – warum soll ich ihm das verwehren?

Sturkopf Moe
Hab ich dich!

Aber: Abends habe ich da mal absolut keine Lust zu! 20 Minuten müssen abends einfach reichen. Mir ist kalt in meiner Schlumi-Hose und das Wetter ist jetzt auch nicht so toll – warum muss Moe genau dann einer Katzen-Reh-wasauchimmer-Spur folgen?

Es ist ja dann auch nicht so, dass er dieser Spur irgendwie kontrolliert folgt. Nein. Er rennt dabei gegen Laternen, haut sich den Kopf an, stolpert, läuft mir vor die Füße, verschluckt sich vor lauter Sabber.

Nö. Und so werden solche Abendrunden meinerseits häufig mit schlechter Laune, weil Sturkopf an der Leine, beendet.

Mein Platz im Bett ≠ dein Platz im Bett

Moe darf im Bett schlafen. Das ist schon immer so und wird wohl auch immer so bleiben. Es würde mir aber noch leichter fallen, wenn er dabei nicht so ein Esel wäre!

An manchen Tagen ist alles schick. Jeder hat seinen Platz im Bett, ja, manchmal vertüddeln sich irgendwelche Gliedmaßen, aber im Grunde ist es harmonisch.

An anderen Tagen dehnt sich Moe ungefähr auf das Zehnfache aus und hat dann auch einfach keine Lust, sich zu verkleinern.

Wenn dann gebeten wird, er solle bitte einmal aufstehen und sich einen anderen Platz suchen, guckt er mich mit dem Hintern nicht an. Aufstehen? Am Arsch.

Sturkopf Moe
Sorry – aber das ist MEIN Platz.

Bestechung hilft hier auch nicht. Herr Esel braucht dann schon eine sehr direkte Aufforderung, sich doch etwas kleiner zu machen – sonst ruft das Körbchen. Beim Schlafen und beim Essen lasse ich nicht mit mir reden. 😉

Wirklich schmerzhaft (für uns Menschen) wird Moes Sturkopf, wenn er sich mitten in der Nacht entscheidet, nochmal aus dem Bett aufzustehen und nach 5 Minuten wieder ins Bett zu kommen. Jeder normale Hund würde vielleicht einfach wieder ins Bett steigen – er weiß ja grundsätzlich, dass er es 1. darf und 2. wie es geht!

Nicht so Moe. Moe besteht darauf, uns zu wecken. Manchmal gelingt das ganz sanft, mit leisem Fiepen. Manchmal mit Nachdruck, sodass ich schon häufig gedacht habe, meine Nase gebrochen! So ein Bollerkopf kann echt weh tun!

Trotzdem liebe ich diesen Vogel. Und trotzdem darf er ins Bett – jede Nacht.

Oh mein Gott du hast dich bewegt!

Mein persönliches Highlight ist: Moe hat nach Jahren immer noch nicht begriffen, dass sich ein Bürostuhl bewegt.

Oder, noch wahrscheinlicher: Moe ist einfach sturer als dieser Stuhl und dieser Kampf muss ausgefochten werden (ob da bei der Zeugung zu viel Chuck Norris Gene vererbt wurden – man weiß es nicht).

Ich kann nicht mehr zählen, wie häufig sich Moe erschreckt hat, weil er DIREKT hinter meinem oder Herrchens Bürostuhl geschlafen hat.

Wie oft wir ihm schon Haare heraus gerissen haben, weil WIR es auch nicht mitbekommen haben, dass er hinter uns lag.

Moe der Sturkopf
Leben am Limit

Und: Wie oft wir ihm schon ein Ohr unter der Rolle eingeklemmt haben.

Moe rafft es einfach nicht. Oder er denkt: Irgendwann bezwinge ich dieses Bürostuhl-Biest. Keine Ahnung.

Jedenfalls ist es für mich auch nicht gerade angenehm, einen quiekenden Hund hinter mir zu haben – und ganz ehrlich: Mir tut es echt Leid. Aber warum ist er auch so stur?

Das Leben mit einem Sturkopf…

…ist manchmal nicht ganz leicht. Aber ich bin froh, dass ich diese Herausforderung angenommen habe und ich würde es immer wieder tun. Wie langweilig muss es sein, wenn immer alles perfekt läuft?

Moe ist mit Sicherheit in einigen Bereichen kein einfacher Hund – aber ich bin auch alles andere als ein einfaches Frauchen. Wir beide haben uns bestmöglich arrangiert.

So oft ich auch manchmal über Moe fluche, so häufig muss ich auch über oder mit ihm lachen.

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