Ein Leben mit dem Hund – reduziert auf das (Un-)Wesentliche.

Ein Leben mit dem Hund - reduziert auf das (Un-)Wesentliche.

„Karl! Das tötet Leute!“ – „Oh. Das wusste ich nicht.“*

Wenn man mal alle Dinge zusammen nimmt, die ich hier in meinem Blog verbreite, und diese ohne Hintergrundinformationen auf eine Liste packt (sie auf das „Wesentliche“ reduziert), sieht es schlimm aus für mich.

Moe darf:

  • auf die Couch
  • ins Bett
  • in die Küche
  • ins Bad
  • häufig ohne Leine laufen
  • buddeln
  • bellen
  • knurren
  • (kontrolliert) jagen
    ⇒ Stichwort: Verzogener Hund!

Moe bekommt:

  • Liebe
  • Essensreste (sogar die gewürzten)
  • Aufmerksamkeit
  • Entscheidungsfreiheit
  • Spielzeug
  • Naschigkeiten
  • Fellpflege
    ⇒ Stichwort: Anarchie!

Moe wird:

  • regelmäßig geimpft
  • geistig gefordert
  • mehrfach geduscht
     Stichwort: Armer, überforderter Hund!

Moe muss:

  • alle 4 Wochen zum Tierarzt
  • sich an Regeln halten
  • sich in unser Leben integrieren und anpassen
     Stichwort: Beim Tierschutz anrufen!

Moe ist:

  • ein Vielfraß
  • kastriert
  • unverträglich mit Artgenossen
    ⇒ Stichwort: Beklopptes Frauchen!

Kennt man also die Hintergründe zu einzelnen Punkten nicht, sollte man eventuell darüber nachdenken, ob Moe hier wirklich so gut aufgehoben ist (vielleicht selbst wenn man die Hintergründe kennt, dass dürft ihr für euch entscheiden 😉 ).

Was kann, darf, soll Moe?
Was kann, darf, soll Moe?

Punkt Nummer 1: Dinge, die Moe darf

Moe darf, für meinen Begriff, sehr viel. Ich achte darauf, dass ich seine Freiheit nicht zu sehr einschränke.

Trotzdem muss immer es sich immer die Waage halten: So, wie ich nicht gerne belästigt werde, möchte ich auch nicht, dass Moe irgendjemanden belästigt.

Heißt im Klartext: Wenn Besuch da ist, und der hat nicht so richtig Bock auf Hundehaare, bleibt Moe unten und geht eben mal nicht auf die Couch. Das hat er gelernt, es ist wunderbar in Ordnung für alle.

Moe darf in jeden Raum. Damals war das Bad eine Zeitlang tabu. Mittlerweile steht es Moe frei, mich auch dorthin zu begleiten.

Er macht es nicht immer – und ich würde auch nicht auf die Idee kommen, Moe nach Begleitschutz für mein Geschäft zu fragen.

Aber er liebt es, vor der Dusche zu liegen und sich das Wasserrauschen anzuhören – er schläft dabei sofort ein. Warum sollte ich das verwehren? Platz genug ist ja.

Was ich noch viel wichtiger finde: Moe darf Bellen und Knurren. Er darf sich äußern, wenn er Schmerzen hat, ihm irgendwas unangenehm ist oder er etwas gehört hat.

Warum auch nicht? Es ist viel einfacher, einmal nachschauen zu gehen, warum Moe tief und laut grummelt, ihm damit zu zeigen: „Ich kümmere mich-“ als ihm eines über die Rübe zu ziehen und am Ende als der Depp dazu stehen. Nämlich dann, wenn wirklich etwas gewesen wäre!

Kontrolliert jagen lassen – das ist ein Punkt, bei dem sich die Geister streiten. Dazu muss ich ein bisschen ausholen. Wir haben seit ewig und 3 Tagen eine Reizangel, die wir auch immer mal wieder nutzen.

Wir haben vor 2 Jahren mal ein Video dazu gemacht (nicht über meine schiefe Mütze lachen, bitte!).

Ziel war und ist es schon immer, Moe hetzen zu lassen, ihn auszupowern, seine Konzentration zu fördern (er darf nämlich erst auf Kommando los, er muss zwischendurch stoppen, etc.).

Manche sind der Meinung, so ein Spiel fördert das Jagen erst Recht – der Meinung bin ich absolut nicht. Ein Hund kann sehr wohl unterscheiden, ob ein Kaninchen auf dem freien Feld läuft – oder er einer Schnur mit Dummy (oder in unserem Fall Schweinchen) hinterher rennt.

Am Kaninchen jagen kann man wunderbar arbeiten und es hat nichts mit einem kontrollierten Reizangel-Training zu tun!

Punkt Nummer 2: Dinge, die Moe bekommt

Die liebe Liebe – alles andere als selbstverständlich und gerade bei einem Hund schwierig. Das Maß zwischen „Der Hund als bester Freund“ und „Der Hund als einziger Lebensinhalt und Partner“ ist teilweise fließend und manchmal sehr extrem.

Sicher, meine Sicht auf Moe ist immer menschlich. Es geht ja auch gar nicht anders. Ich lasse ihn Hund sein – und liebe ihn trotzdem.

Die Essensreste sind auch ein Zeichen von Liebe. Und von „Ich lasse 5 mal Gerade sein“. Es gibt da alle Auffassungen. Von „Hundeernährung ist eine Religion“ bis „Mein Hund frisst, was ich ihm gebe und wofür Geld da ist“ ist alles dabei.

Meine Sicht auf die Hundeernährung ist mittlerweile sehr entspannt. Es ist mir nicht egal, was Moe frisst, sicher nicht. Aber ich mache daraus kein Theater mehr.

Was habe ich nicht alles gelesen, womit mich nicht alles beschäftigt. Nein. Nicht mehr. Moe bekommt das, was ich denke, dass gut ist. Mal rohes Fleisch, mal Trockenfutter, mal Essensreste. Das, was eben da ist. 

Und wir fahren so gut damit. Moes Blutwerte sind bestens. Wir feiern die Mahlzeiten, weil es Spaß macht. Es ist schön zu sehen, wie Moe sich auf sein Futter freut!

Moe hat eine gewisse Entscheidungsfreiheit. Darauf bin ich neulich erst eingegangen und will es jetzt gar nicht groß tun.

Fakt ist: Moe entscheidet mit – bewusst oder unbewusst. Niemals würde ich eine Entscheidung treffen, die extrem zu Lasten von Moe geht. Beispielsweise eine Urlaubsreise mit Flug. Oder die Anschaffung eines Artgenossen.

Dinge, die Moe bekommt: Aufmerksamkeit.
Dinge, die Moe bekommt: Aufmerksamkeit.

Punkt Nummer 3: Dinge, die einfach gemacht werden

Die Impfgegner schreien, ich kann es bis hier her hören. Moe ist geimpft. Moe wird regelmäßig geimpft. Und das wird auch so bleiben. Ja, ich habe mich damit auseinander gesetzt. Meine Auffassung ist Folgende: Wir wollen Reisen. Dazu gehört ein vollständiger Impfpass.

Ich bin auch nicht der Meinung, dass regelmäßig geimpft werden muss. Allein schon deshalb, weil ich mal gelesen habe, dass gewisse Impfstoffe nicht jedes Mal aufgefrischt werden müssten – dies könnte man anhand eines Tests auch herausfinden (Mehr dazu hier: Impftiter-Schnelltest)

Leider ist dieser Test immer noch sehr teuer, zum Einen. Zum Anderen lässt sich wohl kein Grenzbeamter, Veterinär, WasauchimmermitTitel im Ausland darauf ein.

Ich erlaube mir kein Urteil darüber, ob es uns in Deutschland so gut geht (und unseren Hunden) gerade WEIL sie regelmäßig geimpft werden und deswegen einige Krankheiten keine Chance haben. Das soll bitte jeder für sich feststellen und mit sich selber ausmachen. Moe wird geimpft, das steht nicht zur Diskussion.

Das oben erwähnte Duschen jedoch ist echt doof – durch die Analdrüsen aber leider nicht anders machbar. Wenigstens haben wir eine gute Möglichkeit gefunden, dass es nicht ganz so schädlich ist.

Punkt Nummer 4: Dinge, die Moe muss

Moe muss zum Tierarzt. Ungefähr alle 4 Wochen. Wegen seiner Analdrüsen. Letztes Wochenende habe ich tatsächlich selber versucht, diese zu entleeren – ohne Erfolg. Ich muss mir das doch mal zeigen lassen, youtube war da kein guter Helfer. 😉

Moe hat es übrigens wunderbar überstanden. Ich war die Einzige (na gut, Herrchen auch), die das echt merkwürdig fand.

Die Analdrüsen liegen bei Moe wohl relativ tief und sind nicht gut „zugänglich“. In fremden Hintern stochert man halt nicht gerne herum. Ich jedenfalls nicht. 🙁

Moe muss sich außerdem an Regeln halten. Es gibt Dinge, die ich im alltäglichen Zusammenleben erwarte, sprich: Wer Freiraum will, muss sich auch so verhalten. Ein großes Thema war bei uns das Betteln am Tisch.

Aber auch andere Dinge mussten Moe verklickert werden, wie zum Beispiel, dass der Mülleimer tabu ist und das auf kurzen Fahrten im Auto nicht gesungen wird (Moe hat immer gedacht, es würde zum Strand gehen und hat sich da richtig hinein gesteigert. Sobald es auf die Autobahn ging und die Strecke eintönig, war alles wunderbar!).

Moe muss sich in unser Leben integrieren. Als Bürohund sollte er das Telefonklingeln akzeptieren können (bei uns klingelt das Telefon, wenn es hoch kommt, vielleicht 5 Mal am Tag) und das nicht den ganzen Tag Party ist.

Moe sollte alleine bleiben können, nicht an der Leine ziehen und gegenüber Menschen entspannt bleiben. Genau das haben wir erreicht, Moe ist ein klasse Hund.

Wie bitte? Was muss ich?
Wie bitte? Was muss ich?

Punkt Nummer 5: So ist Moe

Ich übertreibe nicht, wenn ich sage: Moe ist ein Vielfraß. Aber so richtig. Mittlerweile auch etwas Gourmet und nicht mehr so sehr McDonalds, aber trotzdem: Wenn der was zu fressen riecht/sieht/erahnt, ist er da. Er bettelt nicht. Er schaut dich einfach nur an und sorgt dafür, dass dir dein Essen gar nicht mehr so gut schmeckt.

Besonders schlimm ist das bei Joghurt, Frischkäse oder Salzstangen. Bei ersteren darf er die Becher ausschlabbern, bei letzteren teilen wir uns die Portion. Das ist auch gut so – so esse ich nicht zu viele, damit Moe nicht so durstig ist (und natürlich auch, weil er Getreide nicht so gut verträgt).

Moe ist kastriert. Und das schmerzt mich mindestens genauso sehr wie ihn. Moe war krank, also musste es sein. Keine Diskussion.

Moe ist unverträglich mit Artgenossen. Leider. Ich bedauere das in wenigen Momenten, aber wir fahren gut damit. Wenn wir nicht gerade wieder von irgendwelchen „Der hat noch Welpenschutz!“ oder „Der tut nichts!“ boykottiert werden.

Das sind wir.

Das sind wir. Reduziert auf ein paar Stichpunkte, habe ich wohl eine Menge falsch gemacht, habe eine ziemlich schlechte Einstellung zum Hund. Ich denke aber, erklärt und ausgeführt, ist das alles nicht mehr sooo schlimm.

Wenn man sich die Mühe macht und nicht nur auf Stichpunkte reduziert, sieht man die Gründe, die vielleicht sogar logisch erscheinen. Nicht unbedingt Wert, sie nachzumachen und für sich zu adaptieren. Aber zumindest, um nicht im Vorwege zu verurteilen. Ist das wirklich das Wesentliche? Sind diese Stichpunkte das, was uns ausmacht?

Far from perfect.
Far from perfect.

Wir sind weit weg von perfekt, von außen betrachtet. Innerlich sind wir verdammt nah dran.

* Wer es nicht kennt: Bei youtube „Lamas mit Hüten“ eingeben, freuen. 😉

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8 Gedanken zu „Ein Leben mit dem Hund – reduziert auf das (Un-)Wesentliche.“

  1. Ich finde euch klasse und so gar nicht „schlimm“ und dem „Versagen“ nahe! Es zeigt doch einfach, wie entspannt ihr miteinander seid und wie gut du Moe kennst, denn du merkst doch sofort, wenn es ihm nicht gut geht! Ich finde es sehr erfrischend, mal nichts von überbesorgten Hundehaltern zu hören, bei denen man sich nie trauen würde, zuzugeben, dass Alma sich mindestens genauso über den Pizzaboten freut, da sie weiß, dass sie die großzügigen Ränder essen darf 😅 Ich kann dir in so vielen Punkten zustimmen! Macht einfach weiter so! Bitte 🙃




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  2. SuperArtikel Nicole!
    Moe ist auch ein Vielfrass *grins*. Er würde sich mit meiner Lady super verstehen. Alle 4 Wochen Tierarzt Besuch, puh der Arme, mit den Analdrüsen habe ich schon öfters gehört, das ist ohne Tierarzt echt schwer zu bewältigen. Gsd habe ich das bei Lady noch nie machen müssen. Was tut man nicht alles für unsere Liebsten. LG Claudia&Lady




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  3. Hey, super Beitrag 🙂 Ich finde ihr macht es für euch super. Ehrlich gesagt, klar ist es einfach wenn der Hund generell alle mag. Aber ich bin auch ein Eigenbrötler und frage mich ob ich überhaupt von meinem Hund verlangen kann, Gott und die Welt zu mögen 😉 Das habe ich schon als mit Nein für mich beantwortet. Wir sind keine Maschinen und unsere Hunde auch nicht. Wenn man einfach entspannt sein Leben lebt und zusammen ist, dann hat man doch das wichtigste erreicht.
    liebe Grüße
    Sandra und Aaron




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  4. Liebe Nicole,
    Also wenn ihr versagt haben sollt, dann reihen wir uns in die Schlange wohl oder übel ein. Dies feiern wir indem wir einen Joghurtbecher öffnen und Jacki&Ruby auch unseren Becher ausschlecken lassen *haha! Tatsächlich gibt es viele Parallelen zwischen Moe, Jacki&Ruby.. Jacki mag seine Artgenossen auch nicht. #alledoofaußerruby
    Von daher seid ihr uns ziemlich sympathisch und seid bitte weiterhin so perfekt unperfekt 😃




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  5. Wichtig finde ich, dass Du mit Moe glücklich bist und Du die Konsequenzen dieses Lebens und Deiner Entscheidungen bezüglich Moe bereit bist zu tragen.

    Ich versuche mich von all den richtigen Vorgaben, den vermeintlichen Idealen und gut gemeinten Ratschlägen etwas fern zu halten. Natürlich lese ich viel, natürlich hinterfrage ich viel, aber ich weiß auch recht genau was ich für Socke möchte und was nicht. Manchmal werde ich unsicher, schwanke, aber immer schneller finde ich meinen Weg. Dass er nicht ganz so verkehrt sein kann, zeigt mir Sockes Befinden und unser Alltag.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke




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