Die Golden Retriever Lüge.

Die Golden Retriever Luege

Marmaduke ist Schuld. Ja, genau – diese riesige Dogge mit den großen, spitzen Ohren (Amerika halt, ich finde es auch nicht schön.).

Jedenfalls hat Marmaduke, diese große, zauberhafte Dogge, im Film ein kleines Problem mit Rassehunden.

Und schuldig ist er, weil er mich daran erinnert hat, dass ich euch noch von der Golden Retriever Lüge erzählen muss (Rassehund, Golden Retriever – ihr versteht. Oder?*).

Also. Beginnen wir am Anfang.

Labrador oder Golden Retriever – die perfekten Familienhunde.

Als bei mir der Wunsch nach einem Hund aufkam, musste der Mann überzeugt werden. Er wollte einen dunklen Hund (typisch Designer), der sich perfekt an ein minimalistisch, weiß eingerichtetes Büro anpasst. Lieb sollte er sein. Pflegeleicht. Ein dunkelbrauner Labrador wäre perfekt.

Aber auch der Goldie stand zur Debatte, weil Familienhund. Leicht zu erziehen.

Ihr wisst es: Moe ist weder das eine (Rassehund), noch das andere (pflegeleicht – wobei…). Aber so ein Labbi oder Goldie, vielleicht, irgendwann…

Die Golden Retriever Luege
Bootsmann. Labbi. Ein wundervoller Hund – er hat mich verzaubert.

Man bekommt es ja vorgelebt: Manche Hunde sind einfach „in“, weil ihnen bestimmte Eigenschaften angedichtet werden. Aussies. Shelties. Labbis. Golden Retriever. Letztere gelten als die perfekten, idealen Familienhunde. Hunde, die sich quasi selbst erziehen – so denke ich mir manchmal.

Unser Nachbar, der Rassehund.

Kommen wir nun zum eigentlichen Teil unserer Geschichte. Wir haben einen Rassehund-Nachbarn.

Gut – den hatten wir auch schon früher, einen ganz wundervollen, zauberhaften Hovawart namens Johnny, der leider viel zu früh gehen musste. Also: Das wird hier kein nur ein winziges bisschen Rassehund-Bashing.

Unser „neuer“ Rassehund-Nachbar ist ein familienfreundlicher, sich selbst erziehender Golden Retriever – der Name des Tieres ist mir entfallen. Innerlich nenne ich ihn immer nur Satansbraten. Man möge es mir nachsehen.

Satansbraten war bei unserem Einzug im April ähnlich wie Moe in jungen Jahren. Wenn wir Satansbraten trafen, legte er sich flach auf den Boden. Waren wir nahe genug dran, sprang er nach vorne in Moes Richtung.

Die Golden Retriever Luege
Nicht unser Nachbarshund – aber der hier war nicht weniger heikel.

So kam es, wie es kommen musste: Das Frauchen konnte Satansbraten nicht halten. Moe sagte Satansbraten die Meinung, Satansbraten motzte zurück. Satansbraten wurde eingefangen, wir gingen unserer Wege.

Ab diesem Zeitpunkt änderte sich alles.

Satansbraten war nicht etwa eingeschüchtert ob dieser Begegnung mit Moe. Nee.

Und ein weiteres Problem tat sich auf: Das Frauchen war ihrem Liebling nicht gewachsen.

Die nächsten Begegnungen waren Flexi-Leine an Halsband und ein lautes „Ich kann den nicht haaaaaalten!“.

Jo. Das hatte ich so nicht kommen sehen. Ich versuchte, andere Wege zu gehen, zu anderen Zeiten. Aber ihr kennt das: Irgendwie trifft man sich immer irgendwann.

Satansbraten machte mich wütend. Und sein Frauchen auch. Weil sie so passiv war. Weil Moe sich natürlich auch aufspielte und ich nun auch noch mit ihm zu kämpfen hätte. Weil Satansbraten sich selbst erziehen durfte. Weil ich mich irgendwie an meine eigenen Fehler aus der Anfangszeit erinnerte.

Irgendwann entschloss sich das Frauchen, ihrem Hund ein Geschirr anzuziehen und eine vernünftige Leine zu nutzen. Manchmal klappt das mit Hirn und Himmel und so doch.

Aber, damit war es leider nicht getan. Die Stimmung war aufgeheizt. Leider konnte man mit der Dame auch nicht reden. Wir haben es versucht, mehrfach.

Meine Bitte, auszuprobieren, ob das mit dem Bogen gehen klappen könnte, wurde ignoriert. Man hätte es vielleicht üben können. Nö.

Die Beziehung hat sich verändert.

Mittlerweile sind wir beim Status / Dance Move „Rasensprenger“ angekommen – Die Dame stellt sich mit ausgestreckten Armen, in ihren Händen die Leine, breitbeinig hin, der Goldie-Satansbraten hüpft bellend und geifernd wie ein Pendel von rechts nach links vor ihr herum. Komisch wäre das – wenn es nicht so traurig wäre.

Neuerdings spricht sie immer sehr laut mit Satansbraten. Ihre Worte? „Du brauchst keine Angst haben. Der tut dir nichts.“ – Wenn so ein Hund aussieht, der Angst hat – dann ist Moe längst gestorben.

Der Satansbraten – ein Einzelfall?

Nö. Leider ist das eben nicht der Fall. Im Sommer habe ich viele Hunde getroffen, nicht nur meine Shooting-Hunde, sondern eben auch alles andere, was vier Beine hat, bellt und am Hundestrand unterwegs ist. Zuzüglich Besitzer.

Die Golden Retriever LuegeDie Hunde (und Halter), die mir am Negativsten auffielen: Labradore, Golden Retriever und der ein oder andere Jack Russell.

Übrigens: Meine Shooting-Hunde sind so ziemlich alle (bis auf eine Goldie – Ausnahme) großartige, gut erzogene (und das meine ich tatsächlich mit Ausrufezeichen) Hunde gewesen.

Scheinbar wird davon ausgegangen, dass Labbis und Goldies generell und sowieso immer lieb und freundlich sind.

Auf die meisten wird das sicherlich zutreffen. Trotzdem können die genauso rotzfrech und nervig sein, wie andere Hunde auch.

Zu häufig habe ich es diesen „Sommer“ erlebt, dass genau diese Hunde sich selbst überlassen werden und dann Unsinn anstellen.

Einem Labbi ist man ja vielleicht nicht so böse wie einem Schäferhund – richtig?

Wenn Mister Charming aber auf meinen Rucksack pinkelt und keine Menschenseele zu diesem Hund gehört – dann werde ich biestig.

Zu oft habe ich gehört, dass die netten Goldies doch nur spielen wollen. Zu oft habe ich echt brenzlige Situationen gesehen, bei denen der Goldie oder Labbi echt Glück mit seinem Gegenüber hatte.

Und zu oft habe ich Menschen gesehen, vor allem ältere Herrschaften, die diesen Hunden nicht gerecht werden konnten.

Kurzum: Mir tun diese Familienhunde Leid. Diese Hunde, die sich selbst erziehen MÜSSEN, weil der Mensch die Verantwortung nicht übernehmen will.

Weil der Mensch denkt, dass der Hund mit der Sonderausstattung „perfekt erzogen“ und „Familienhund“ einzieht, weil man das ja so hört – die Golden-Retriever-Lüge.

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