Gastartikel: Der Weg zur Begleithund-Prüfung

Der Weg zur Begleithund-Prüfung
Der Weg zur Begleithund-Prüfung

Wenn man sich auf unserem Blog so umschaut, fällt auf: Wir sind wahnsinnig faul. 😀 Während irgendwie alle Hundesport machen oder die Begleithund-Prüfung, haben wir jetzt nach fast 7 Jahren des Zusammenlebens es endlich zum Mantrailing geschafft.

Das soll aber nicht heißen, dass ich solche Aktivitäten mit dem Hund generell doof finde, im Gegenteil. Und deswegen freue ich mich auch sehr, dass wir wieder Isabelle an Bord haben. Ihr kennt sie noch von ihrem letzten Gastartikel bei uns (wäre schade, wenn ihr den verpasst hättet!). Heute berichtet sie sehr unterhaltsam von ihrem Weg bis zur Begleithund-Prüfung. Viel Spaß!

Gastartikel: Laufe mit deinem Hund als würde dich kein Prüfer beobachten – Askans Weg zum Hundediplom

Askan und Isabelle
Askan und Isabelle

Seit mittlerweile knapp zwei Jahren besuche ich mit meinem Fellbüschel eine Hundeschule in der Region. Letztes Jahr – ungefähr um diese Zeit – kam der Ritterschlag für uns: wir waren tatsächlich so fit, dass es hieß wir können, sollen und wollen in den Kurs zur Vorbereitung auf die Begleithundeprüfung aufsteigen.

Ja genau „aufsteigen“ – quasi ein Upgrade aufgrund des enormen Gehorsams meines sonst eigentlich ziemlich starrsinnigen vierbeinigen Mitbewohners von der Hundegrundschule hin zum Diplom für Sofawölfe. Mit vor Stolz geschwellter Brust, vor gewachsenem Ego gleich noch drei Meter größer und maximal zuversichtlich wechselten wir – also ich, Askan eher emotional unbeteiligt – in die neue Gruppe.

Ich war mir sicher, wenn wir es schon so weit gebracht haben,  dann rocken wir das Ding mit links und ohne mit der Wimper oder besser mit der Lefze zu zucken. Aber siehe da: was beim Trainer so leicht aussah, kostete uns – mehr mich als meinen Sir Wauzalot – einen Sommer voller Blut und Schweiß – okay okay nicht ganz so heroisch. Hauptsächlich kostete es mich eine Menge Nerven.

Begleithund-Prüfung – was genau muss man denn da machen?

Begleithund-PrüfungZum besseren Verständnis sei das ganze Prozedere der „Begleithund-Prüfung“ kurz skizzenhaft umrissen (den Ablauf der Prüfung mit Laufschema und allem drum und dran findet man unter anderem in diesem Buch: „Der zuverlässige Begleithund: Von der Welpenerziehung bis zur Begleithundeprüfung“* von Uta Reichenbach und Gabriele Lehari):

Zunächst einmal muss der Hundehalter eine theoretische Prüfung ablegen. Okay das heißt zu Hause hinsetzen, bulimisch die Anzahl von Hundezähnen, bis hin zu verschiedenen Hundeverordnungen ins überlaufende Hirn klopfen und zur Prüfung dann in gebündelter Form vor Souveränität triefend wiedergeben. Mein Studium ist noch nicht so super lange her – sprich das war also der leichtere Teil.

Anschließend exerziert man mit seinem Hund ein Laufschema durch, bei dem das Hundekind oder besser der Hundeteenager verschiedene Aktionen mit permanent freudigem Blick zum Herrchen oder Frauchen zeigen soll. Hierzu gehören zum Beispiel das Setzen aus dem Laufen heraus, das Passieren einer Gruppe, unterschiedliche Schritttempi, einen Verkehrsteil und so weiter.

Und obwohl man mit Tipps und gut gemeinten Ratschlägen auf dem Hundeplatz ja eigentlich immer inflationär überschwemmt wird, bekommt man just in diesen Momenten der stillen Verzweiflung kaum Hilfe, um die Kuh vom Eis – oder in dem Fall den Senfhund wieder ins „Platz-Bleib“ zu bekommen. Deshalb möchten wir an dieser Stelle einmal die Tipps und Tricks vorstellen, die uns geholfen haben:

7 Tipps und Tricks

1. „Platz-Bleib“ heißt du bleibst(!) an deinem Platz

Der Hund sollte – während der andere Hund mit seinem Herrchen das Laufschema durchklöppelt -entspannt liegen Askan relaxtbleiben. Das eigene Herrchen einige Meter in Sichtweite weg. Klang total easy – na ja Askan fands viel spannender nach zwei Minuten aufzustehen – da hatte das andere Herrchen seinen Hund noch nicht einmal angeleint.

Und überhaupt ist so lang still rumliegen ja auch totlangweilig. Also „was tun?“ sprach Zeus, denn wenn der Hund aus dem „Platz-Bleib“ aufsteht, über den Hundeplatz streuselt und am besten den anderen Hund noch zum Spielen auffordert, ist die Messe quasi schon gelesen. Sprich man ist im Recall und darf nochmal antreten.

Ich übergab die ganze Problematik Dr. Google. Der spuckte wiederum aus, man solle sich auf die Leine stellen, dann könne der Hund nicht aufstehen. Blöd nur, dass mein Fellknäul davon Angst bekam. Fiel also aus. Als nächstes wurde empfohlen den Hund an einem Mast festzumachen. So würde er, wenn er aufsteht, merken, dass er nicht weg kommt und sich wieder hinlegen. So die Theorie – Askan blieb in der Praxis einfach fragend guckend neben dem Mast stehen.

Okay ich dachte mir also ich verlängere einfach die Übung mit der man normalerweise „Platz-Bleib“ übt – nämlich den Hund ins Platz legen – 1 Schritt weg, gleich wieder zurück und partymäßig loben. Das war ein guter Anfang gemeinsam mit einem scharfen „Nein“ wenn er aufstehen wollte, klappte das Abliegen ohne Ablenkung dann schon ganz gut.

Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen übten wir dann einmal im heimischen Garten mit Ablenkung. Ich sprang also gemeinsam mit einer Freundin quiekend und indianische Regentänzer vor Neid verblassen lassend um meinen Hund herum. Da unser Garten von der Straße  einsehbar ist, handelt wir uns von den Nachbarn ein freches „Ihr müsst schon schneller laufen, damit er aufspringt.“ ein.

Na ja die Lacher waren gesichert und ich kann versprechen, dass solche Szenen definitiv nicht wieder vom kollektiven Nachbarschaftsgedächtnis vergessen werden, aber seitdem lag mein Fellkind auf dem Hundeplatz mit der Gelassenheit eines buddhistischen Mönchs.

2. „Fuß“ oder „Baby, schau Frauchen in die Augen.“

Spaß muss seinDass das „Fuß“ laufen des Hundes eines der Grundpfeiler im Hundesport ist, dürfte allgemein bekannt sein. Doch es reicht nicht nur aus, dass der Hund mit dem Kopf auf Kniehöhe links dicht am Hundehalter läuft – nein, er soll dabei auch noch freudig gucken. Und das war bei uns die Krux.

Askan lief zwar brav im „Fuß“, aber er schaute dabei entspannt vor sich hin. Schien die Sonne, stand der Mond günstig und hatten wir eine gute Windrichtung dann trabte er auch mal freudig neben mir her, aber wirklich zuverlässig schauen wollte er nicht.

Es wurde mit clickern probiert, dem Einführen des Kommandos „Schau“, Jacken wurden mit Leberwurst eingeschmiert, gut Duftendes in Ärmel genäht und bei maximaler Verzweiflung schlichtweg gefragt  „Wo ist der Käse?“. Alles in der Hoffnung das könnte dem caniden Teampartner einen winzigen Blick entlocken. „Nützte aber alles nüscht“ – wie der Vogtländer so schön sagt – also abermals recherchiert und bäm direkt die Lösung gefunden: Man übe das „Fuß“-Gehen mit einer Wiener im Mund und lasse den Hund immer mal abbeißen.

Tja was soll ich sagen, bei uns hat das super geklappt. Man verliert ja mit der Zeit auch das Peinlichkeitsempfinden gegenüber seiner Umwelt. Und nur ganz nebenbei „Beifuß“ ist ein Gewürz und kein Kommando.

3. „Fuß“ ist nicht gleich „Fuß“ ist nicht gleich „Fuß“ – kleine Pfotenkunde der unterschiedlichen Schritttempi

Ein Schrittwechsel von normalem zu schnellem zu sehr langsamen Tempo ist ebenfalls ein Teil des Laufschemas. Den Spaß macht man oder eher Hund einmal mit und einmal ohne Leine. Für den rennenden Teil der Übung habe ich es als unwahrscheinlich hilfreich empfunden, dass ich mit Askan manchmal joggen gehe.

Er trabte also wie ein kleines Pionierpferd neben mir her. Hilfreich ist es auch freudig und mit hoher Stimme „Fuß, Fuß, Fuß“ zu sagen, um den Vierbeiner zum schnelleren Gehen zu animieren. Schwieriger gestaltete sich anfangs das langsame „Fuß“ laufen. Ich habe das Kommando dann sehr in die Länge gezogen – ungefähr so: „Fuuuuuuuuuuuußßßßßßßßßßßßßßßßßßßßßßßßßß“ – und betont tief ausgesprochen. Außerdem habe ich die Leine hinter meinem Rücken geführt. Das machte es Askan schwerer, mich zu überholen.

4. Absitzen aus dem Gehen – die leichtere Übung

Ein weiterer Teil der Lauffolge ist das Absitzen aus dem Gehen heraus. Sprich das Herrchen sagt „Sitz“ – Hund Askan ganz schickversteht „Sitz“ und setzt sich auch sofort während das Herrchen genau 12 – besser noch 15 (falls man sich vor Aufregung verzählt) Schritte weiter geht.

Während des Weitergehens hofft dieser indes, dass der Hund sich auch bitte gesetzt haben möge und nicht grade beim Trainer nach einer Naschigkeit bettelt. Anschließend geht man zurück, holt den Hund ab und geht einige Schritte weiter „Fuß“. „Sitz“ aus dem Gehen heraus lernte Askan vergleichsweise schnell. Ich habe also bei jedem Gassi-Gehen „Sitz“ gesagt und bin dann langsam ein oder zwei Schritte weiter gelaufen. Dann große Leckereien-Party wenn er saß und weiter gings.

5. Abliegen aus dem Gehen – die eindeutig schwerere Übung

An das Absitzen aus dem Gehen folgt dann dass Abliegen ebenfalls aus dem Gehen. Mag ja im Sommer bei schönem Wetter und warmen Boden alles noch schleichen. Aber im Herbst bei Regen und matschigen Boden macht sich mein Mr. Pfotenproper sicher nicht wegen der schnöden Aufforderung „Platz“ das Bauchi dreckig geschweige denn seinen Alabaster-Körper gar auf Kommando hin mit epischer Geschwindigkeit in den Schlamm zu werfen.

War es also nass und ich wollte Askan ins „Platz“ schicken, verharrte er mit nach oben gestrecktem Pops und maximal anklagendem Blick. Bei weniger widrigen Umständen lässt sich das „Platz“ aus dem Gehen hingegen gut üben, in dem man dem Hund während man das Kommando ausspricht ein Leckerli zwischen die Vorderpfoten schmeißt, sodass er sich hinlegen muss, um es zu kriegen. Das fordert etwas Zielsicherheit und war für mich, die ich einen Laster nicht von innen treffen würde, schon eine Herausforderung.

6. Von Skylla und Charybdis oder „Mama in der Gruppe spukts“

Begleithunde-Prüfung: Ablegen in weiter Entfernung

Ein wendiger Gang durch die Gruppe, mit einem ansehnlichem „Sitz“ in deren Mitte ist einmal mit und einmal ohne Leine ebenfalls Teil der Übung. Bei uns wurde die Gruppe von drei wenig schauspielerisch begabten Stangen imitiert. Ziel ist quasi in zwei Achten um diese drei Stangen zu laufen.

Schon das verlangte mir eine Menge Konzentration ab. Zu allem Übel traute sich meine kleine Weichflöte nicht um die Stangen herum – okay die waren vorher auch von einem anderen Hund angepieschert worden – aber dennoch in Askans Augen befanden wir uns im Meer der Ungeheuer und nicht auf dem Hundeplatz zwischen drei profanen Pfeilern. Ich übte also die Laufübung – zur Erinnerung zwei schön geformte Achten – in allen nur möglichen Varianten im heimischen Garten.

Um Gartenstühle, um Bäume, um kleine Blätter, um Schuhe, um Kackstüten – da war der Fantasie keine Grenze gesetzt. Und natürlich bekam Askan für jedes minimale Fünkchen spontan aufkeimenden Mutes ein Highendleckerli. Schließlich traute sich der kleine Herkules ohne Probleme durch die Gruppe.

7. Mama hetz mich nicht – der Bub trödelt sich einfach ins Ziel

Ja anfangs da war es eher schwierig, den Herrn Pfotenschön in seiner Lauffreude zu bremsen aber mit fortschreitender Übungsdauer wurde er immer langsamer. Man konnte ihm sprichwörtlich beim Gehen die Schuhe besohlen oder wohl eher die Pfötchen pediküren.

Manchmal ist er glaub ich sogar heimlich beim Gehen eingeschlafen. Ich gab mir alle Mühe ihn stimmlich und körpersprachlich zu beschleunigen, was leider nur wenig brachte. In etwa zu der Zeit besuchte ich eine Hundemesse. Dort bekam ich den Tipp, meine bepelzte Schildkröte nach hinten zu begrenzen.

Wenn er also begann zu trödeln, tippte ich mit meinem Fuß hinter ihn, sodass er nicht noch weiter zurück fallen konnte. Wirklich schneller wurde er davon nicht, aber immer auch nicht noch langsamer.

Kleiner Abgesang…

 

Eine kleine Anekdote zum Schluss: Unsere Prüfung fand schließlich an einem Sonntag statt. Ungefähr vier Wochen vorher intensivierten wir unser Training massiv. Das heißt ich hatte beim Gassi gehen eigentlich ständig eine Wiener im Mund, das Laufschema streberhaft einlaminiert in der Tasche, sämtliche anderen nützlichen Utensilien (eine extra aus wasserfestem Stoff genähte Decke für das Ablegen) griffbereit und filmte uns ins regelmäßigen Abständen um Fehler zu erkennen.

Unser Trainingsduo besuchte uns regelmäßig,  was zu ziemlich tiefen Furchen im penibel englisch gepflegten Rasen unserer Hausgemeinschaft führte. Einen Abend vor der Prüfung war Halloween und ich exerzierte sogar im Kostüm mit Geisterbrautschleier und Reifrock den Ablauf mit Askan im Garten.

Isabelle und Askan, ein Team

Als wir am nächsten Tag schließlich auf dem Hundeplatz ankamen – ich mit einem Puls, der einer Panikattacke gleichkam und kurz vorm Blutzsturz -, tigerten unsere Mitstreiter bereits durch den naheliegenden Wald und versuchten sich mit kurzen Tantren meditativ wegzubeamen. So jedenfalls der Eindruck bei uns. Die Zeit bis Mann oder Frau mit samt Hund endlich an der Reihe ist, lässt einen mindestens um zehn Jahre altern.

Man hat das Gefühl von einer bestandenen Prüfung weiter entfernt zu sein als ein schottisches Hochlandrind von der afrikanischen Steppe. Und dann noch die Hund-Halter-Paare, die vom Platz kommen und eine Aura ausstrahlen als habe Hannibal grade die Alpen überquert.

Also nach – ich bin mir im Nachhinein sehr sicher – mehreren Jahren des Wartens liefen wir unsere Prüfung. Askan war hoch konzentriert und machte seine Sache wirklich gut. Wahrscheinlich weil ich ihm versprochen habe, dass er das danach nie wieder machen muss. Ein paar Patzer hier und da, aber schließlich mega glücklich über den riesen Knochen, den er zur bestandenen Prüfung vom Trainer geschenkt bekam.

In unserer Familie ist er seither offiziell nur noch der „Begleit-Bub“ oder wahlweise auch „Euer Ehren Sir Begleit-Schnuz“. Tja nicht nur der Wille sondern auch der Stolz des Hundes ist seither definitiv unantastbar.

Der letzte, aber wirklich letzte Tipp

Wer sich als Ziel gesetzt hat auch mit seinem Hund Prüfungen im Hundesport zu laufen und zeitgleich bei dem Wort „Prüfung“ beginnt schreiend im Kreis zu rennen, für den kann vielleicht folgendes Buch hilfreich sein: „Mentaltraining für Hundesportler: Erfolgreich mit der richtigen Einstellung“ von Angelika Bodein).

Ich hab definitiv gelernt, dass die Kraft in der Ruhe liegt. Jede Anspannung, Stress oder Druck, der auf euch lastet, überträgt sich auch auf euren fast diplomierten Sofawolf und schubdiewub kann der Gelerntes nicht mehr abrufen.

Oder ihr gebt im Stress Kommandos in einer anderen Stimmlage oder mit einer anderen Körpersprache und verwirrt ihn total. Ein irisches Sprichwort besagt ja man solle so tanzen als ob einem niemand zusieht. Wahrscheinlich sollte man anfügen: Laufe mit deinem Hund als würde dich kein Prüfer mit pingeliger Punkteliste beobachten…

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3 Gedanken zu „Gastartikel: Der Weg zur Begleithund-Prüfung“

  1. Danke! Das sind sehr holfreiche Tipps und ich werde sie ganz sicher anwenden (oder versuchen sie anzuwenden) wenn ich mit meiner Hündin jetzt im März den BH-1 Kurs anfange!
    Habt ihr auch BH-1 gemacht oder schon BH-2 weil bei uns ist das abliegen und sitzen aus dem Lauf gar nicht dabei…das wär bei uns erst BH-2.

    • Hallo 🙂 Also bei uns war das nicht unterteilt in BH1 und 2. Ich weiß manche Vereine machen das (auch in Bronze und Silber unterteilen) – das gab es aber bei uns nicht.
      Viele liebe Grüße!

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