Der sensible Hund

Der sensible Hund
Der sensible Hund

Hätte man mich damals, noch hundlos, gefragt: „Welche Hunde sind sensibler, die Kleinen oder Großen?“ – hätte ich richtig schön pauschalisierend gesagt: Die Kleinen. Hach. Wie sehr man sich täuschen kann.

Mit Moe habe ich einen sehr sensiblen Hund an meiner Seite. Nicht so schlimm wie manche andere, sicherlich. Aber immerhin doch merkbar.

Mein Sensibelchen

Angefangen damit, dass Moe Ortswechsel und das damit meistens verbundene „woanders schlafen“ nicht so gut verträgt. Er kommt nicht zur Ruhe, läuft herum, schläft wenig. Es ist nicht so schlimm und vor allem kaum merkbar, wenn sein Rudel zusammen ist. Aber wehe, nur einer von uns ist da. Oder schlimmer noch: Keiner.

Letztes Wochenende war er genau zwei Nächte vom Herrchen getrennt und nur eine Nacht von mir. Da blieb er zur Betreuung bei meiner Mama. Trotzdem sah Moe am Sonntag aus, als hätte er kaum geschlafen und auch meine Mutter bestätigte mir, dass er in der Nacht wieder herum getapert wäre.

Gefühlt ist das schlimmer geworden, seitdem ich von zu Hause aus arbeite. Als hätte sich Moe an uns gewöhnt, bzw. daran, dass sein Rudel ja immer zusammen sein muss, und wehe, das ist mal nicht der Fall…

Leider muss er sich an solche Situationen einfach gewöhnen, beziehungsweise muss er da einfach durch. Nicht immer kann man darauf Rücksicht nehmen, was Moe gerne hätte und was nicht. Ich weiß ja, dass es ihm auf der Messe noch schlechter gegangen wäre als in Betreuung. Ein schlechtes Gewissen hatte ich natürlich trotzdem.

Schlimm ist es auch, wenn mein Freund und ich diskutieren. Wir müssen gar nicht streiten, ein lauterer Tonfall reicht da schon aus. Während andere Hunde sich darum gar nicht kümmern würden, geht Moe mit lautem Fiepen, Gejaule und Bellen dazwischen – wohl um die Gemüter zu beruhigen. Klappt meistens auch. 🙂

Erziehung bei einem sensiblen Hund

Erziehung bei einem sensiblen Hund
Erziehung bei einem sensiblen Hund

Natürlich ist bei einem sensiblen Hund die Erziehung auch schwieriger. Oder sagen wir: Anders. Zum einen, weil man als „Neu-Hundebesitzer“ gar nicht weiß, dass es sensible Hunde gibt und dann komplett falsch handelt. Zum anderen, weil man seinen sensiblen Hund in Situationen bringt, die eigentlich besser vermieden worden wären oder anders gelöst werden müssten.

Ich habe Moe beispielsweise immer hochgezogen, wenn er sich vor anderen Hunden unterwürfig hingelegt hat. Ich wollte weitergehen, fand es bescheuert, dass er sich alle paar Meter hingeworfen hat und nicht mal mit den anderen spielen wollte. Warum nur konnte mein Hund ausgerechnet nicht Everbody’s Darling sein?

Das ist aber nicht alles, was ich unbewusst verbockt habe. Das schwerwiegendste Problem, das wir aktuell haben, wurde mir im Laufe meiner Erkältung klar.

Ich wusste mittlerweile, dass Moe eher die leisen Töne bevorzugt. Es reicht meist ein geflüstertes Kommando aus, damit Moe die entsprechenden Dinge tut. Ebenso bei der Korrektur: Ich brauche nicht zwingend ein „Nein“. Wenn ich mich räuspere, lässt Moe direkt ab. Und genau das wurde jetzt zum Problem.

Dummerweise habe ich in meiner Euphorie nicht bedacht, dass auch ich mal krank werden könnte und das ich bei einer Erkältung durchaus mal den Wunsch verspüren könnte, mich zu räuspern. Das Ende vom Lied: Moe wusste gar nicht mehr, was los war. Er ging ins Körbchen, ich räusperte mich, er ging wieder zurück und schaute mich fragend an.

Moe lag ganz entspannt im Bett, fast am Einschlafen. Gleiches Spiel: Ich räusperte mich, Moe flüchtete. Nur Halsbonbons lutschen half da nicht. Mein Trick, um Moe das ganze unterscheiden zu lassen, war: Ich streichelte ihn, sprach ihn an. Zeigte ihm, dass alles gut war. Bisher funktioniert das sehr gut, wobei ich das Räuspern als Korrektur nun einfach bleiben lasse. Ich muss mir da wohl doch etwas anderes überlegen.

Ein sensibler Hund ist eine ganz schöne Herausforderung. Ein Umzug, ja, selbst eine neu eingerichtete Wohnung kann so einen Hund schon komplett aus der Bahn werfen. Neues Futter, neue Umgebung, sogar ein geänderter Tagesablauf kann unter Umständen schwierig werden.

Es  ist toll, dass Moe so ist, wie er ist. Er nimmt Stimmungen wahnsinnig gut wahr, ist draußen verlässlich und kann sich perfekt auf andere Menschen einstellen. Und ich kann noch viel von ihm lernen: Zwar bin auch ich relativ sensibel, was mein Gefühlsleben angeht, aber ein riesig großer Trampel, was die Gefühle anderer Menschen betrifft.

Trotz aller positiven Dinge: Es ist auch nicht leicht mit Moe. Denn im Gegensatz zu richtig entspannten, selbstbewussten Hunden wird er sich nie einfach nur in sein Körbchen legen und alles, was drum herum passiert, einfach akzeptieren.

Wie ist das bei euch: Habt ihr auch einen sensiblen Hund? Wie äußert sich das bei euch?

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8 Gedanken zu „Der sensible Hund“

  1. Ja, unsere Sensibelchen!
    Ich habe auch so ein Exemplar zu Hause! Der dicke Ren…. Im Gegensatz zu Moe flüchtet Ren ins Bett wenn mal etwas hitziger diskutiert wird oder ich vor Wut mal wieder weine. Damit kann er absolut nicht umgehen. Da bin ich froh dass ich Stimpy habe. Die kommt mit ihrer Schlabberzunge und befreit mich von den Tränen….
    Aber auch ich habe den selben Fehler mit dem Räuspern bei Ren gemacht. Ich wollte das immer mal wieder abstellen aber erwische mich viel zu oft dass ich mich wieder räuspere wenn er an seiner kaputten Pfote rumknispelt.
    Aber irgendwie mag ich es auch dass er so feinfühlig und sensibel ist. Stimpy ist da das totale Gegenteil.
    Wobei es beide tatsächlich nicht mögen wenn das Rudel nicht komplett ist. Komplett schläft und ruht es sich doch einfach am Besten 🙂

    Dann knuddel den Süßen Moe mal von uns!

    Steffi mit Ren & Stimpy

  2. Ja Deco und Pippa sind auch sehr sensibel 🙂
    Aber sobald wir ein paar Gewohnheitsreize dabei haben (Decke, Körbchen etc.) dabei haben ist alles gut und sie sind relaxed 🙂

    LG, Carola mit Deco und Pippa

  3. Ich glaube, dass ohnehin die meisten Tiere viel sensibler sind, als sie eingeschätzt werden. Das habe ich bitter bei den Pferden lernen müssen. Aber wie Du schon schreibst, Größe, Rasse, Alter und Geschlecht verhindern oft, dass das auch als solches erkannt und anerkannt wird.

    Bruno (Miniatur-Bullterrier) ist wesentlich sensibler wie Linda. Dagegen wirkt sie wie ein Rauhbein, was aber nicht stimmt. Auch bei ihr reicht bereits ein durchdringender Blick, ein Räuspern, um sie zu „verunsichern“. Aber wer würde schon einen sensiblen Charakter in einem „Kampfhund“ vermuten… 😉

    LG Andrea und Linda, die auch Freunde der leisen Töne sind

  4. Ich habe auch ein kleines Sensibelchen auf dem Sofa sitzen. Bei ihm stimmt wenigstens die Größe. *lach*

    Charly braucht einen geregelten Tagesablauf, sonst ist er schnell verunsichtert. Unser Vorteil ist, dass so viele Personen in einem Haushalt leben. Da hat er immer jemanden zum Anlehnen.

    Liebe Grüße
    Sonja und Charly

  5. Jaaa, ich hab hier auch so ein Sensibelchen. Besonders im Training wird das deutlich, wenn der Ton sich manchmal auch nur einen Hauch verschärft, ist Emmely gleich verunsichert und macht andere Dinge. Oder wenn ich selbst oder jemand anders nicht gut drauf ist, sucht sie vermehrt Kontakt. Das ist für die Arbeit in den Therapien sehr schön, privat manchmal etwas schwierig weil es auch nerven kann, wenn sie einem gar nicht von der Seite weicht 🙂 Aber genau das liebe ich auch an ihr. Wichtig finde ich eben – wie du auch schreibst – das man sowas über seinen Hund wissen muss, weil man sonst echt Dinge in der Beziehung zueinander verbocken kann..
    Liebste Grüße
    Lizzy und Das Indianermädchen

  6. Ich reihe mich in die Liste der Hundehalter ein, die einen sensiblen Hund haben. Socke wirkt, weil sie so ruhig ist, immer sehr souverän. Doch ist sie sehr auf uns Menschen fixiert, die ihr Sicherheit geben. Und der geregelte Tagesablauf ist Socke auch wichtig. Wenn wir unsere Taschen packen, weil wir uns zu einem Besuch aufmachen, dann wird Socke unruhig und beginnt zu hecheln. Und Unstimmigkeiten und Disharmonien im Socke-nHalterhaus sind auch nichts für Socke. Sie stresshechelt dann ebenfalls. Ich glaube, dass Andrea Recht hat. Da Hunde unsere Sprachen nicht verstehen, müssen sie viel sensibler auf andere Dinge reagieren, wie unsere Stimmungen.

    Ein spannender Beitrag….

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

  7. wuff wuff

    als Rotti kann ich Moe verstehen…. Ich bin körperlich robust und seelisch sensibel. Da hat Frauchen am Anfang auch oft verzweifelt…

    dicken SchlabberKnutsch an Moe von Shila

  8. Oh Gott, ja… Ich hätte im Leben nicht gedacht, dass Bella sensibel sein könnte, als sie freudestrahlend vor dem Haus ihrer Vorbesitzer in mein Auto sprang und mit mir nach Hause fuhr.
    Doch dann ging’s los: Hob man den Arm, während sie ihr Geschäft verrichtete, um die verknotete Leine wieder zu richten, flüchtete die Kleine. Der Umzug in unsere neue Wohnung wurde mit minutenlangem lauten Bellen nach 22 Uhr – zum Ins-Bett-Gehen – beklagt. Und und und… Da muss man sich wirklich was einfallen lassen.

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