Der Hund in Portugal

Hundehaltung in Portugal

Ihr seht es, der Titel gibt es vor: Ich bin wieder zurück und ich habe euch Geschichten mitgebracht. Meine Zeit in Portugal war intensiv, traurig, lustig. Ich bin mit vielen neuen Eindrücken wieder gekommen, habe einiges gelernt und die Vergangenheit nochmal erlebt.

Was ich alles in Portugal unternommen habe und einen Reisebericht bekommt ihr bald auf Wundertrips zu lesen – hier möchte ich nur auf das eingehen, was auch grundsätzlich erst mal mit dem Thema Hund zu tun hat (ein kleiner Bericht, wie ich die Trennung von Moe überstanden habe, wie Moe es verknusert hat, gibt es auch noch).

Hundehaltung in Portugal

Die Hundehaltung in Portugal hat sich sehr verändert. Als ich das letzte Mal in unserem Dorf war (vor 9 Jahren) gab es noch einige Straßenhunde. Die waren zwar auch schon dezimiert, aber es gab sie noch.

Außerdem gab es: Hundefänger. Menschen, meist Männer, die wie in einem schlechten Film mit ihrem Caddy oder ähnlichem Gefährt durch die Straßen im Dorf brausten, die Hunde jagten, in die Ecke trieben und einfingen.

Dieses Jahr war einiges anders – aber längst nicht alles.

Hundehaltung in Portugal
Hund mit Herrchen und Frauchen unterwegs – damals selten

Tiere, vor allem auch Hunde, haben mittlerweile einen höheren Stellenwert. Sie sind nicht mehr nur zum Bewachen des Grundstücks da (wobei es auch diese Kettenhunde leider immer wieder gibt. Ich habe so einige gesehen…), sondern werden durchaus im Haus gehalten, an der Leine geführt und in der Familie als Freund integriert.

Vor allem kleine Hunde haben es hier leicht. Große Hunde sind nach wie vor „böse“, sie dienen als Schutz und gelten grundsätzlich als bissig.

Vor allem der gemeine Rottweiler und der Schäferhund werden nach wie vor gerne als Wachhund eingesetzt.

Hundehaltung in Portugal
Der gemeine Rottweiler – man achte auf die Augen…

Hundefutter – im Supermarkt!

Das Erste, was mir aufgefallen ist: Ich gehe in meinen Lieblingssupermarkt und direkt nach dem Eingang liegen dort riesige Trockenfutter-Säcke gestapelt. Der erste Blick geht also nicht auf das Gemüse, sondern auf das Hundefutter – schon spannend!

Ich kann mich nicht erinnern, das es damals überhaupt Hundefutter in dem kleinen Supermarkt gegeben hätte. Bei den großen Ketten auf jeden Fall, dort habe ich auch die Naschis für die Straßenhunde gekauft. Aber die kleinen Märkte hatten sowas nicht.

Die Auswahl im Supermarkt ist ebenso begrenzt wie hier in Deutschland. Pedigree, ein paar Eigenmarken – das wars. Alles nicht sonderlich gesund und jeder, der hier in Deutschland schon die Augen bei der Supermarkt-Auswahl rollt, wird auch in Portugal nicht fündig.

Hundehaltung in Portugal
Da schlägt doch das Barfer-Herz höher…

Dafür: Die Fleisch- und Fischtheke ist super sortiert. 😉 Jeder Barfer wird hier mit Sicherheit fündig, da es auch ganze Tiere zu kaufen gibt (halbe Schweine sind übrigens auch regelmäßig im Angebot), ebenso wie Innereien und Hirn (ja, so habe ich auch geguckt).

Ein richtiger Tierfachmarkt – in Portugal!

Mein Weg führte mich im Laufe dieser 12 Tage natürlich auch in einen richtigen Tierfachmarkt in einem Einkaufszentrum.

Ich kannte diesen bereits, dort war ich vor 9 Jahres das letzte Mal. Damals konnte man dort, neben Kaninchen, Hamstern, Fischen und Co. auch niedliche Hunde- und Katzenwelpen dort kaufen.

Mit einem entsprechend flauen Gefühl im Magen ging ich dort wieder hin und wurde positiv überrascht: Die Haltung der Nager war komplett überarbeitet worden.

Hundehaltung in Portugal
Hundehaltung in Portugal

Sie waren nun in einem separaten (extra verglasten) Raum untergebracht, in diesen kam man nur nach vorheriger Anmeldung und in Begleitung vom Personal. Sehr gut!

Der Raum sah auf den ersten Blick sehr gepflegt aus und die Tiere waren so etwas mehr abgeschottet vom allgemeinen Trubel.

Hundehaltung in Portugal
Katzen und Hunde werden dort nicht mehr verkauft – trotzdem sind viele Katzen unterwegs

Zudem gab es keine Hunde- und Katzenwelpen mehr. Dieser Bereich ist komplett weggefallen. An Zubehör hatten sie dafür zugelegt: K9- Geschirre sowie diverse andere Anbieter. Hunter-Leinen. Flexi-Leinen. Spielzeuge von diversen bekannten Marken. Hundefutter von unterschiedlichen Anbietern, Leckereien.

Tatsächlich war ich begeistert. Der Laden war längst nicht so groß und damit ziemlich voll, aber dafür hätte ich vieles für Moe bekommen. Natürlich konnte ich nicht widerstehen und habe 2 Spielzeuge und ein paar Naschis für Moe gekauft. 🙂

Wie lebt ihr eigentlich mit Hund?

Generell war das Thema Hund für mich ständig präsent. Ich kann einfach nicht mehr ohne, und eine kleine Klatsche hat sich da wohl über die Jahre eingeschlichen. Also fragte ich die Leute aus. Fragte, wie sie mit ihrem Hund leben und einige waren bereit, mir Dinge zu erzählen.

Hundehaltung in Portugal
Auch ein „Freigänger“ – mein neuer Kumpel

Nicht nur das: Nachdem sich herum gesprochen hatte, dass ich Hundeerfahrung habe, kamen Fragen auf. Die eine Dame zum Beispiel hat seit einem Jahr einen Hund, von Welpenbeinen an. Leider ist ihr Hund immer noch nicht stubenrein und sie fragte mich: Warum? Warum macht der immer noch in die Wohnung? Der ist doch schon 1 Jahr – der muss das doch mal wissen?

Ich fragte sie, ob sie das mal geübt hätte und sie schaute mich nur mit großen Augen an. Sie war der Meinung: Der Hund würde ja irgendwann von alleine wissen, dass er nicht in die Wohnung machen dürfte.

Wir hatten also ein etwas längeres Gespräch zum Thema Stubenreinheit und was sie nun machen könnte. Ich wüsste ja zu gerne, ob sie meine Tipps umsetzt – aber vielleicht treffe ich sie ja nochmal wieder und kann sie fragen.

Ich wurde auch häufig gefragt, was ich mit Moe so mache. Wenn ich über meinen Alltag gesprochen habe, haben die meisten ungläubig gelacht und sich Fotos zeigen lassen. Ein Hund, der im Bett schläft? Undenkbar! Und du gehst wirklich 3 Mal am Tag mit ihm raus? Er kann Tricks?

Hundehaltung in Portugal
Tricks kann er auch. Knutschen zum Beispiel!

Ein Hund, der Lebensmittelpunkt ist – dort, wo meine Wurzeln sind, eher schwierig.

Was für mich neu war: Die Cafés hatten aufgerüstet. Nun haben die meisten ein „Hunde verboten“ Schild an der Tür, ebenso wie einige Geschäfte. Damals war das nicht notwendig – man hatte einfach keinen Hund dabei.

Die Cafés werden übrigens dennoch von vielen Hundebesitzern angenommen: Man sitzt dann einfach draußen, der Hund unterm Tisch. Was für ein ungewohnter Anblick!

Hundehaltung in Portugal
Katzen sind trotzdem nach wie vor beliebter als Hunde!

Gerade in den größeren Städten gehören Hunde an der Leine (vor allem an der Flexi…) jetzt aber zum Stadtbild dazu und das freut mich tatsächlich sehr.

90% der Hunde, die ich im Dorf gesehen und gestreichelt habe (ja… das musste sein!!), hatten alle einen Besitzer und es ging ihnen augenscheinlich gut. Keiner sah ungepflegt aus, alle waren gut genährt, die Zähne waren in Ordnung und das Fell war weich.

Einige hatten dennoch Angst vor Menschen. Vor allem dieser Kleine hier, der auf dem Grundstück herumlief, war sehr schüchtern. Er wollte unbedingt zu mir, war aber gleichzeitig extrem unterwürfig.

Hundehaltung in Portugal
So eine Zuckerschnute!

Ich setze mich also an den Zaun, schaute woanders hin und hielt ihm meine Hand zum Schnuppern hin – da kam er an. Er war so zuckersüß und hat die Streicheleinheit kurz genossen. Als ich dann aber meine Kamera hervor holte, verzog er sich leider wieder.

Kettenhunde: Leider immer noch Thema.

Unserem direkten Nachbarshund ging es nicht so gut. Die Menschen sind merkwürdig und unfreundlich, der Hund wird nur an der Kette am Halsband auf Beton gehalten. Nie habe ich gesehen, wie der Hund draußen geführt wurde. Ständig hat er gebellt. Er musste genau dort auf seinem Platz seine Geschäfte erledigen, die dann mit einem Wasserschlauch weggespült wurden.

Das hat mir das Herz gebrochen und es ist für mich sehr schwer zu akzeptieren, wie Menschen einen Hund so halten können. Kettenhunde gibt es leider noch einige mehr im Dorf und es trifft vor allem die Großen – die Kleinen werden ins Haus gelassen, die Großen haben einen Job zu erledigen. Hier muss noch einiges an Umdenken stattfinden.

Hundehaltung in Portugal
Einer von vielen: Kettenhunde gibt es immer noch. Gerade in den Dörfern.

Generell ist die Situation für Hunde aber schon deutlich besser geworden. Natürlich gibt es noch viel zu tun, aber wenn ich daran denke, wie die Hunde damals behandelt wurden und wie es heute ist – das ist ein deutlicher Unterschied.

Ebenso wurden Gesetze erlassen, die es möglich machen, Tierquäler zu bestrafen. Mit Sicherheit der richtige Weg, ebenso die Aufklärung. Wie es mit Hundetrainern in Portugal aussieht, weiß ich leider nicht. Hier konnte mir von meinen Bekannten keiner Auskunft geben.

Straßenhunde: Hoffentlich bald kein Thema mehr.

Straßenhunde habe ich übrigens dennoch gesehen. An meinem letzten Tag waren wir auf einem großen Fest und dort liefen sie herum, erbettelten sich Futter. Sie sahen schlimm aus – der eine hatte Narben am ganzen Körper, hatte wenig Fell und ihm fehlte ein Auge.

Einpacken und wegfahren – dachte ich mir kurz, bis ich ihn in seinem Rudel von 4 weiteren Hunden sah. Wäre er wirklich besser dran in einer Familie? Diese Gedanken kann man sich wohl immer machen.

Hundehaltung in Portugal
Tierschutzorganisationen gibt es neuerdings auch

Gleichzeitig lief dort eine Organisation herum, die Spenden sammelte – für Straßenhunde. „Tira-me da rua“ (Hol mich von der Straße) heißt das Konzept. Leider waren die Damen schwer beschäftigt, sodass ich mich nicht mit ihnen unterhalten konnte.

Portugal hat sich entwickelt, die Hundehaltung hat sich deutlich verbessert. In vielen Bereichen hat dieses Land noch große Baustellen – nicht nur in der Tierhaltung. Ich bin sicher, dass es noch besser werden wird und das Ketten- und Straßenhunde bald nicht mal mehr auf dem Dorf akzeptiert werden.

Hundehaltung in Portugal
Danke, Moe.

Und Moe? Ich glaube, der kann sich wirklich glücklich schätzen.

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3 Gedanken zu „Der Hund in Portugal“

  1. Zunächst freue ich mich so sehr, dass Du wieder da bist und wiederhole mein herzlich Willkommen auch hier noch einmal.

    Dein Bericht ist natürlich super spannend. Es freut mich, dass sich die Situation für Hunde in Portugal gebessert hat und diese zunehmend Familienhunde werden. Ich denke, dass dies immer ein längerer Prozess ist und nicht von heute auf morgen geht. Was mich etwas erstaunt ist, dass die Dame ein Jahr mit einem nicht stubenreinen Hund lebt und nicht von sich aus aktiv wird, überlegt, wie sie dies ändern kann. Da macht sie lieber die Pfützen weg….

    Die Fleischtheke ist sehr gewöhnungsbedürftig. bei uns liegen die Tiere ja nicht in so großen Stücken in der Auslage. Ja, man vergisst bei einer Roulade oder einem Geschnetzelten schon mal, wo es herkommt und wie es aussah.

    Der SMS Verkehr zwischen Euch Dreien ist ja süß….

    Und ja, Moe kann sich wirklich sehr glücklich schätzen.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke




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    • Dankeschön, liebe Sabine!

      Stimmt – die Tiere in der Auslage haben mich auch kurz schlucken lassen. Aber eigentlich ist es ja nur richtig, so vergisst man nicht, wo es eigentlich her kommt. 🙂

      Liebe Grüße,
      Nicole




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  2. Deine Beschreibung erinnert mich auch an unsere Mittelmeerkreuzfahrt, da haben wir ganz ähnliches gesehen.

    Die zweite, flauschige Katze hat mir jetzt mal kurz das Herz geraubt.

    Ich bin über unsere Wahrnehmung zur Hundehaltung echt glücklich auch, wenn es bei dem ein oder anderen auch ein wenig zuuuuu krass ist.

    Schön, dass du da bist!

    Liebe Grüße

    Anika




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