Der Ernst der Lage.

Ich weiß gar nicht, wie ich diesen Beitrag überhaupt anfangen soll. Als ich den letzten Artikel schrieb, waren wir noch in Frankreich – da war noch alles in Ordnung. Ich wusste damals schon, dass wir Moe beim Tierarzt untersuchen lassen würden – ich wusste aber nicht, dass wir 2 Wochen später überlegen würden, ob Moes Leben noch lebenswert ist.

Moe hatte bereits eine längere Zeit Blasenprobleme. Wir haben das aber immer auf die leichte Schulter genommen, da diese Probleme nie lange anhielten und in der Anfangszeit mal alle halbe Jahre vorkamen – wenn überhaupt. Wir dachten, dass Moe sich vielleicht verkühlt oder zu sehr belastet hätte, und aus dem Grund ein paar Stunden lang nicht selbstständig pinkeln kann. Da sich das „Problem“ aber immer innerhalb weniger Stunden von selbst besserte, sah ich keinen Grund dafür, einen Tierarzt deswegen aufzusuchen – auch, weil die Probleme so selten auftraten.

Ab letztem Jahr wurde es dann regelmäßig. Etwa einmal im Monat, manchmal auch nur alle 2 Monate, hatte er für ca. 20-24 Stunden Probleme, zu pinkeln. Moe war wie zugeschnürt, es kamen nur winzige Tröpfchen. Aber auch hier löste sich das Problem immer wieder von allein: Irgendwann kam der Sturzbach, es lief wieder normal.

In unserer Zeit in Portugal sprachen wir ab, dass wir das Problem bei unserer Rückkehr angehen wollen würden. Moe musste sowieso zum Impfen, daher passte das ganz gut (wir machen normalerweise, wenn möglich, immer kombinierte Arzttermine, da Moe beim Tierarzt extrem viel Stress hat und wir die Häufigkeit unserer Anwesenheit dort damit reduzieren wollen).

Leider kam alles anders.

Moe bekam am 29.03. wieder das bekannte Blasenproblem. Es sollte uns bis heute beschäftigen.

Die Kurzform: Wir waren bei Tierarzt Nummer 1. Dieser massierte ein wenig Moes Blase aus, während Moe höllische Schmerzen erlitt. Es muss so unsagbar weh getan haben… Das das nicht der normale Weg ist, erfuhren wir aber leider erst später. Der Arzt entnahm eine Urinprobe, machte einen Ultraschall & Röntgen.

Fazit: Nichts im Urin zu erkennen. Keine Harnsteine, keine Kristalle, nichts, was irgendwie auffällig gewesen wäre. Beim Ultraschall sahen wir vor allem eine viel zu große Blase (immer noch reich gefüllt) und beim Röntgen sahen wir Spondylose (ein Zufallsbefund, aber nicht auf Höhe der Blase), seine HD und Arthrose.

Am Ende des Tages waren wir 180 € ärmer, hatten aber nichts. Keine Diagnose, kein Befund, keine Aussicht außer: „Machen Sie mal ein MRT“.

Das genügte uns so nicht. Wir suchten einen weiteren Tierarzt auf, der sich deutlich mehr Zeit nahm. Seine erste Handlung war: Einen Katheter legen, damit die Blase endlich wieder leer ist. Diese hatte nämlich bereits die Organe im Bauchraum zusammen geschoben und war riesig geworden.

Auch hier wurde wieder ein Röntgenbild gemacht, Ultraschall und dieses Mal auch Blut abgenommen. Es gab nichts, was irgendwie auffällig gewesen wäre. Der Arzt konnte sich Moes Probleme nur durch Probleme mit dem Rückenmarksnerv erklären, sagte uns aber auch gleich – in seinem Alter sollte man sich überlegen, was man Moe noch zumutet. Auch er überlegte, ob es Sinn machen würde, einen CT oder MRT machen zu lassen, letztendlich stand seine Prognose auf „eher schlechte Erfolgaussicht“.

Daraufhin waren wir jeden Tag zum Katheter legen und hofften, dass das von dem Tierarzt verschriebene Medikament (Phen-Pred) anschlagen würde. Dies ist ein Schmerzmittel/Cortison und sollte, falls eine Entzündung vorhanden gewesen wäre, Moe helfen. Es schlug aber nicht an.

Eine liebe Bekannte, Christine, brachte uns auf die richtige Spur. Sie hatte von einem Fall gehört, bei dem ein Rüde genau Moes Probleme hatte. Und da half ein Medikament: Dibenzyran. Zugelassen in der Humanmedizin, unser Tierarzt hatte noch nie davon gehört – wirkt es auf den Blasenmuskel und sorgt so dafür, dass der Hund wieder eigenständig pieseln kann.

Zu dem Zeitpunkt hatten wir nichts mehr zu verlieren. Wir haben so viel geweint, weil es Moe wirklich schlecht ging. Es hat abgebaut, war schlapp und wir mussten ihn dennoch jeden Tag zum Katheter legen bringen – Stress pur.

Wir ließen uns also das Medikament verschreiben und Katheter mitgeben – ich wollte das selbst übernehmen, damit Moe weniger Stress hätte.

Das Medikament brauchte sehr lange, um zu wirken. Und dann kam es wie ein Hammer. Moe wollte gar nicht mehr aufstehen, hatte massive Kreislaufprobleme. Er hörte auf zu fressen. Er trank viel, und es kam genauso viel raus. Pipi, Durchfall, alles.

Wir haben die kleinstmögliche Dosierung – eine Kapsel pro Tag – aber diese haut voll rein. Sie senkt den Blutdruck, macht Moe schläfrig. Wir haben nun also das eine Problem gelöst – Moe pinkelt wieder – dafür einige neue Probleme.

Moe hat 3 Tage quasi nichts gefressen. Mittlerweile kommen wir auf max. 200 – 400 gr. Hühnchen pro Tag, wenn es gut läuft. Gestern sind wir die erste richtige Gassi-Runde seit Tagen gegangen, im Schneckentempo. Heute möchte er schon wieder am liebsten gar nicht aufstehen. Gefressen hat er auch noch nichts.

Er ist teilnahmslos und sehr, sehr schlapp. In wenigen Wochen ist Moe um Jahrzehnte gealtert. Kein Schwanzwedeln mehr, keine Freude. Jeder Blick von ihm ist ein Vorwurf. Und wir sitzen hier und wissen nicht mehr weiter.

Wir könnten versuchen, die Tabletten wieder abzusetzen. Dann käme vielleicht der Appetit zurück, vielleicht aber auch die Probleme. Wir haben gehofft, er würde sich auf die Tabletten einstellen, aber diese bekommt er nun seit einer Woche – und es hat sich nicht viel gebessert. Ich weiß, dass ich sehr ungeduldig bin, aber Moe beim Leiden zuzusehen, ist einfach wahnsinnig schwer. Er muss sich so elend fühlen.

Ein CT oder MRT haben wir für uns ausgeschlossen. Moe in Narkose zu legen und dabei zu wissen, wie er die letzten Narkosen überstanden hat (sehr schlecht), nur um dann vielleicht (sicher ist es längst nicht) eine Ursache zu finden… Nein. Wir haben uns entschieden, nicht alles zu tun, nur weil es technisch möglich wäre.

Ebenso bei der Medikamentengabe: Es gibt noch ein paar Dinge, die wir ausprobieren könnten. Aber zu wissen, wie es Moe gerade geht, und ihn dann noch weiter zu belasten – ich weiß nicht, ob das richtig ist.

Wir versuchen, die gemeinsame Zeit soweit möglich zu genießen. Viel kuscheln. Ich versuche, nicht ständig zu heulen, was an manchen Tagen besser klappt als an anderen. Moe versucht, uns zu Liebe ein Stück Hähnchen mehr zu futtern. Und: Wir nehmen Abschied. Vorsichtig versuchen wir uns auf das vorzubereiten, auf das man sich wohl niemals vorbereiten kann.

Ich danke euch, für die vielen Nachrichten die uns in der letzten Zeit über alle möglichen Kanäle bereits erreicht haben. Ich habe es leider nicht geschafft, auf alle zu antworten. Eure Tipps sind unheimlich lieb gemeint, aber wir werden nicht alles ausprobieren können. Ich bin sicher, ihr versteht das.

Wir halten euch hier auf dem Laufenden – so oder so.

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15 Gedanken zu „Der Ernst der Lage.“

  1. Fühlt euch ganz doll umarmt… Es tut mir wahnsinnig leid.
    Als ich damals die Diagnose bei Rocky bekommen habe, hab ich ihm zuliebe auch nicht alles versucht, sondern bin mit ihm den Weg in seinem Tempo gegangen. „Nicht dem Leben mehr Tage geben, sondern den Tagen mehr Leben.“ war unser Motto und auch wenn er mir heute noch wahnsinnig fehlt, ich bereue meine Entscheidung nicht. Es war für ihn das Richtige. Wir hatten noch ein paar schöne Wochen und die hat er ohne Schmerzen und mit viel Spaß und Gekuschel verbracht.

    Liebe Grüße
    Sandra und Shiva

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  2. Ihr drei Lieben!
    Ich wünsche Euch ganz viel Kraft und Liebe für die kommende Zeit. Ich habe noch keine Erfahrung mit Hundesenioren und kann daher auch nicht sagen, dass ich weiß wie ihr euch fühlt und kluge Tipps verteilen. Das was Sandra mit den „Tagen mehr Leben geben“ klingt irgendwie nachvollziehbar und es ist wichtig, dass ihr einen Weg geht,der sich für euch richtig anfühlt.
    Fühlt euch gedrückt!!

    Lizzy und die Hütehundmädchen

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  3. Ich kann euch so gut verstehen – und auch eure Entscheidung. Nicht anders ging es uns vor zwei Jahren und auch schon früher. Wir haben gemacht was wir für richtig hielten und für uns vertreten konnten … nicht mehr und nicht weniger. Und auch das so lange, wie wir bei Damon noch Lebenswillen gesehen haben und auch den Willen uns zuliebe noch etwas zu essen oder zu trinken.

    Ich sende euch eine Umarmung und liebe Gedanken,
    Isabella mit Cara und Shadow

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  4. Nein, nein, nein , das darf doch nicht sein… Mir fehlen die Worte und ich weiß wirklich nicht, was ich schreiben soll. Ich lass es, sende eine feste Umarmung und melde mich auf anderem Wege bei Dir…

    Viele traurige Grüße
    Sabine mit Socke, die dankbar ist Moe gesehen zu haben und es genossen hat, wie er sich auf den Rücken legte. um sich den Bauch kraulen zu lassen. Tapferer Moe….

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  5. 🙁 Es ist immer traurig, ob es plötzlich kommt, oder schleichend, es ist furchtbar, den so lieb gewonnenen Vierbeiner so sehen zu müssen. Aber so ist das Leben leider, und umso mehr muss man sich freuen über die schöne gemeinsam erlebte Zeit. Auch wenn man eigentlich nur weinen möchte. Ich kenne Moe ja nur über den Blog, aber ich leide mit ihm und mit euch. Genießt die Zeit so gut es geht.

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  6. Ich umarme euch und wünsche euch viel Kraft. 💙 Ich war auch schon in so einer Situation und musste eine Entscheidung treffen. Und ich habe mich ebenfalls dagegen entschieden um jeden Preis alles zu versuchen. Loslassen ist so schwer und tut so weh. Aber es ist der letzte und größte Akt der bedingungslosen Liebe.

    Wir denken an euch,
    Karen und Tiffy

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  7. Hallo ihr drei!
    Gebt nicht zu schnell auf! Die Symptome können auch Nebenwirkungen des Medikaments sein. Versucht doch mal die Kapsel zu zerschneiden und die Hälfte des Inhalts zu verabreichen ( eventuell in leere Kapselhüllen füllen, die in Apotheken zu bekommen sind).Vielleicht spricht er auch auf alternative Heilmethoden, wie Akupunktur an.
    Ich wünsche euch alles Gute, mit der Hoffnung auf Besserung!

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  8. Fühlt euch gedrückt von uns!
    Genießt jeden Moment den ihr noch gemeinsam habt und wie Sandra es bereits so passend formuliert hat: den „Tagen mehr Leben geben“ ist glaube ich das einzige was zählt ❤️
    Wir denken in der schweren Zeit auf jeden Fall an euch und wünschen euch ganz viel Kraft !

    Eva & die handvoll Hufeisen

  9. Ich wünsche euch viel viel Kraft. Diesen letzten Weg mit dem eigenen Hund zu gehen ist so unendlich schwer. Ich habe keine Worte, die euch helfen oder die Situation erleichtern könnten. Es ist Mist, es ist unfair, es ist zum Heulen, es ist einfach nur scheiße. In Gedanken bin ich bei euch.
    Herzliche Grüße
    Stephie

  10. Ich wünsche euch viel,viel Kraft. Auch ich mußte diese Entscheidung treffen, es ist nicht leicht. Es tut sehr, sehr weh und es dauert damit klar zu kommen. Fühlt euch ganz lieb gedrückt, auch unbekannter Weise.
    Herzliche Grüße Betty

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