Besuchshunde – wie wird man zu einem richtig tollen Team?

Sarah (31 Jahre) und Muffin (5 Jahre) haben sich zum Besuchshunde-Team ausbilden lassen. Moe und ich fanden das Thema so spannend, dass wir die beiden gebeten haben, uns ein Interview zu geben. 

Sarah und Muffin, vielen Dank, dass ihr euch für ein Interview bereit erklärt habt. Erzählt doch kurz etwas über euch.
Muffin ist unser Traumhund. Ein Leben ohne ihn können und wollen wir uns nicht mehr vorstellen. Er ist bei uns ein vollwertiges Familienmitglied. Ich bin als Mediengestalterin tätig. Teile mir das Büro mit zwei anderen Kollegen und Muffin natürlich. 🙂
Seit er 12 Wochen alt ist, begleitet er mich durch den Arbeitsalltag. Er sorgt für das gute Klima im Büro und die gelegentliche Ablenkung. Wir sind ein eingespieltes Team!

Ihr beide seid nun ein geprüftes Besuchshunde-Team. Was müssen wir uns darunter vorstellen?
Ein Besuchshunde-Team ist im Allgemeinen ein Mensch-Hund-Team, welches tiergestützte Aktivitäten in verschiedenen Einrichtungen (Seniorenheime, Schulen, Kindergärten, Hospizen…) ehrenamtlich und regelmäßig durchführt. Allerdings anders als beim Therapiehund, ohne therapeutisches Ziel. Im Grunde genommen einfach da sein und für Abwechslung/Ablenkung sorgen. Mal spazieren gehen, schmusen oder streicheln.

Wie bist du zu der Idee, so eine Ausbildung zu machen, gekommen?
Wie bin ich zu der Idee gekommen? Da Muffin und ich des Öfteren mal in der Mittagspause kurz durch den Sophienhof (Einkaufszentrum in Kiel) schlendern, ist mit aufgefallen, dass sehr viele Leute (jung, alt, behindert usw.) Muffin sehen und ihn gleich streicheln wollen. Er freut sich natürlich sehr.

Den Entschluss, diese Ausbildung zu machen, gab mir ein Artikel in der „KIELerLEBEN“. Dort wurde diese Ausbildung vorgestellt. Ich forschte im Internet und fand die für uns passende Ausbildungsstätte. Und zwar das Assistenzhundezentrum Nord von Kati Zimmermann.

Wie lange hat die Ausbildung nun insgesamt gedauert? Was waren die Prüfungsinhalte, wie sah die Prüfung aus?
Die Ausbildung geht ca. 2 Monate (14-tägiger Rhythmus). Da wir nur zwei Teilnehmer + Hunde waren, ging es etwas schneller. Im Schnitt umfasst eine Gruppe bis zu 5 Teams.

Inhalte:

  • Unterschied zwischen Besuchshund/Therapiebegleithund/Assistenzhund
  • Voraussetzungen für einen Besuchshund
  • Welche Eigenschaften muss ein Besuchshund haben?
  • Einsatzgebiete für einen Besuchshund
  • Versicherung und Nachweisheft
  • Vor-, während-, nach dem Einsatz
  • Verantwortung im Einsatz
  • Was ist bei Verletzungen zu tun?
  • Rollstuhletikette
  • Monopolisierung
  • Verhaltensproblem
  • Zoonosen
  • Tätigkeiten und Wirkungen
  • Körpersprache des Hundes
  • Rudel- und Sozialverhalten
  • Schutz des Hundes
  • Sinnvolle Beschäftigung des Hundes

Prüfung:

  1. Grundgehorsamkeitsprüfung in der Stadt
  2. Besuchsdienst alleine durchführen ohne Hilfe
  3. schriftlicher Teil
  4. Fertig! 🙂

Wie oft seid ihr jetzt nach der Ausbildung als Team unterwegs?
Bis jetzt sind wir in unserem „Ausbildungs-Seniorenheim“ in Ascheffel. Wir fangen am 14.11.2014 unsere Besuchsdienste dort mit Christina und Frieda (die mit uns zusammen die Ausbildung absolviert haben) an. Wahrscheinlich in 14-tägigem Rhythmus. Für jede Woche ist es von Boksee aus einfach zu weit. Wir sind aber dabei, noch in der Umgebung etwas zu finden.

Das Besuchshundeteam

Was für Fähigkeiten müssen der Mensch und der Hund mitbringen, um ein Besuchshunde-Team zu werden?

Voraussetzungen Mensch:
Soziale Grundeinstellung ohne Helfersyndrom, menschen- und kontaktfreundlich, Interesse an alten, jungen und kranken Menschen, seinen eigenen Hund kennen/einschätzen, psychisch belastbar sein, kein Missbrauch des Hundes als Therapiegerät/Objekt

Voraussetzungen Hund: guter Grundgehorsam, er muss arbeitswillig sein, darf kein Kläffer sein, hohe Reizschwelle, vertrauensvolle Bindung zum Hundeführer, nicht schreckhaft, geduldig

Wählst du die Orte aus, an denen ihr Menschen besucht oder übernimmt das jemand für euch?
Es ist nun an mir, mich um weitere Orte, wo wir hinkommen dürfen, zu kümmern. Wir bekommen aber auch Unterstützung durch unsere Ausbilderin Kati Zimmermann.

Wie lange seid ihr bei den Menschen, gibt es zeitliche Begrenzungen?
Generell kann man ca. eine Stunde einplanen. Viel länger würde ich nicht machen. Für den Hund ist es schon sehr anstrengend. Es richtet sich aber einfach nach dem Befinden des Hundes.

Gibt es Fortbildungsmöglichkeiten? Wenn ja, habt ihr etwas in der Richtung geplant?
Direkt Fortbildungsmöglichkeiten gibt es meines Wissens nicht. Die Stufe nach dem Besuchshund wäre dann der Therapiehund.
Ich will mich aber nur freiwillig engagieren, möchte einen Beitrag für die Gesellschaft leisten und suche für mich und Muffin eine sinngebende Tätigkeit. Ich betrachte meine freiwillige Arbeit als eine persönliche Bereicherung.
Allerdings ist besonders im Umgang mit Menschen mit Demenz und anderen Pflegebedürftigen ein geschulter Umgang wichtig. Weitergehende Schulungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten wären diesbezüglich schon sinnvoll.

Gut wäre es, wenn es ein Besuchshundetreffen aller gäbe, damit man sich austauschen kann. Unterstützung erhalten wir hier aber auch wieder von unserer Ausbilderin Kati Zimmermann.

Seid ihr in der Gruppe oder alleine unterwegs?
Wir sind grundsätzlich alleine unterwegs. In unserem „Stamm-Seniorenheim“ in Ascheffel sind wir, wie schon erwähnt, mit Christina und Frieda zusammen unterwegs. Es gibt uns einfach erst einmal die Sicherheit zusammen parallel zu arbeiten.

Sarah, gibt es etwas, dass dich in der Ausbildung besonders berührt hat oder etwas, dass dir Angst gemacht hat?
Berührt hat mich, dass wir es während unserer Ausbildung geschafft haben, eine bettlägerige Frau mit 95 Jahren von der Endpflege wieder auf die „Beine“ zu bekommen. Und das durch Besuchsdienste von ca. 15 Minuten.
Sie sitzt nun im Rollstuhl im betreuten Bereich und ist regelrecht aufgeblüht. Toll, wir waren baff!

Angst hatte ich bis jetzt noch keine. Respekt vor der Sache schon eher. Man muss ganz unbefangen an die Sache herangehen. Klar, viele Leute sind sehr alt und teilweise auch sehr krank. Aber wenn wir den Alltag dieser Menschen als Besuchshunde-Team, und wenn es nur ca. 10 Minuten sind, versüßen können, ist das für mich schon ein sehr großer Erfolg.

Liebe Sarah, lieber Muffin, vielen Dank für das tolle Interview! Ihr werdet sicher ein richtig klasse Besuchshunde-Team sein und viele Menschen begeistern. Vielleicht hören wir ja an dieser Stelle mal wieder von euch, wenn ihr ein paar tolle Geschichten erlebt habt, die ihr erzählen wollt.
Außerdem hoffen wir, dass sich jetzt ein paar von euch da draußen angesprochen fühlen, dass Sarah und Muffin euch vielleicht auch Mut gemacht haben, selber aktiv zu werden.

Vielen Dank, Muffin und Sarah!

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5 Gedanken zu „Besuchshunde – wie wird man zu einem richtig tollen Team?“

  1. Mein großer , riesengroße Freund der Landseer, ging auch in Schulen und Altenbetreuungsstätten…. oft erzählte sein Leinenende von diesen Besuchen…
    Das ist immer sehr schön gewesen.
    wuff Tibi und liebe Grüße von Sylvia




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  2. Danke für deisen Post! Meine Vi hat auch schon mal drüber nachgedacht sowas zu tun… aber im Moment bin ich wohl noch zu jung und wild *pfft*

    Schlabbergrüße Bonjo




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    • Sehr gerne!!
      Wir würden das auch gerne machen, aber die Ausbildung könnte hart für uns werden. Moe geht Artgenossen lieber aus dem Weg. Ansonsten wäre er auch perfekt dafür, stundenlang gekrault zu werden, findet er super. 🙂




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  3. Ich finde das was ihr macht ganz toll, ich möchte euch meinen allergrößten Respekt aussprechen. Es gibt leider nicht allzu viele Menschen, die ehrenamtlich etwas Gutes tun. Und so ein Hund-Mensch Besuchsteam ist definitiv etwas sehr gutes und sinnvolles. Danke!




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