Bekanntschaft oder Freund fürs Leben?

Bekanntschaft oder Freund fürs Leben
Bekanntschaft oder Freund fürs Leben

Was macht ihr eigentlich, wenn jemand ganz offensichtlich euren Hund nicht mag? Wenn er es nicht erträgt, dass der Hund in einem Raum mit ihm ist? Ist diese Person ein gern gesehener Gast?

Und was ist, wenn diese Person regelmäßig bei euch ist, die Lebensumstände so sind, dass es gar nicht anders geht: Geht es zu Lasten eures Vierbeiners (ihr sperrt ihn weg oder lasst ihn von einem Hundesitter abholen) oder zu Lasten dieses Gastes, der auf euch angewiesen ist? Für welche Seite entscheidet ihr euch?

Meine Gedanken – was passiert eigentlich, wenn…?

Ich neige generell dazu, mir wahnsinnig viele Gedanken zu machen, BEVOR etwas passiert. Ja, manchmal übertreibe ich es damit. Ich versuche, auf jede Situation vorbereitet zu sein. So auch auf diese. Letzten Dezember sind in unser Haus, in die Souterrain-Wohnung, Syrer eingezogen.

4 Flüchtlinge, die nach vielen Camps endlich ein Zuhause bekommen haben. Unser Vermieter hatte uns vorab gefragt, ob wir es uns vorstellen könnten und zu dem Zeitpunkt war mein Wille sehr groß zu helfen. Wenn ihr mehr darüber lesen wollt, könnt ihr euch gerne meinen Artikel: „Plötzlich Flüchtlingshelfer“ dazu durchlesen.

Freunde fürs Leben

Irgendwann setzte das Nachdenken ein: Was ist, wenn wir helfen möchten – aber es zu einem Konflikt kommt wegen Moe?

Ich hatte große Bedenken. Vier Männer würden bei uns einziehen, Moslems. Über den Islam hatte ich gehört, dass Hunde keinen Platz im Haus haben, eigentlich überhaupt nicht gehalten werden – und nur zum Beschützen von Haus und Hof geeignet sind. Was würden also unsere 4 Syrer zu unserem Hund sagen, was würden sie von Moe halten?

Hunde und der Islam

Moe schert sich nicht um Religion, entweder, jemand ist sein Freund oder nicht. Und genauso ging ich auch an die Sache heran: Mit der Konfrontation. Am selben Tag, als die Jungs bei uns einzogen, stellten wir ihnen auch Moe vor. Weil er (für uns) ein Familienmitglied ist. Und das sollte in meinen Augen respektiert werden.

Zugegeben, am Anfang war es schwer. Denn die Vier hatten wirklich Angst vor Moe. Sie versuchten, ihn zu streicheln und Kontakt aufzunehmen, was bei dem einen gut, bei den anderen weniger gut klappte. Moe überschüttete sie mit Freundlichkeit, legte sich auf die Seite und ließ sich den Bauch kraulen – so, wie er es immer macht, wenn er Menschen mag.

Und ab dem Zeitpunkt wusste ich: Es wird funktionieren. Irgendwie.

Ich habe nun ein bisschen recherchiert, gefragt und folgendes heraus gefunden: Zu Hunden gibt es im Islam 3 Meinungen: Entweder, der Hund ist rein, er ist unrein, oder nur der Speichel des Hundes ist unrein. Fest steht: Hirten- und Schutzhunde werden sehr geschätzt, ebenso wie Windhunde, die bei der Jagd helfen. Straßenhunde werden komplett verachtet (zur Quelle).

In Syrien ist es nicht üblich, den Hund im Haus zu halten. Vor allem bei gläubigen Moslems darf der Hund nicht ins Haus, da dieses immer rein zu halten ist (dies gilt vor allem für den Gebetsteppich).

Moe und unsere neuen Freunde

Wenn unsere vier Syrer zu uns kommen, sind sie teilweise sehr zurückhaltend, was Moe angeht, aber sie lernen dazu. Beispielsweise wissen sie nun, das sie sich nicht über einen Hund beugen sollen um ihn zu streicheln, dass sie ruckartige Bewegungen vermeiden sollten und: sie haben gelernt, mit Moe Ball zu spielen. Und sie tun es gerne.

Wenn Moe draußen im Garten ist, kommt immer jemand, um ihn zu bespaßen. Meine Sorge dahin gehend, Moe und unsere Flüchtlinge könnten sich nicht miteinander arrangieren, war also komplett unbegründet.

Jedoch kenne ich auch andere, die nicht in die Nähe von Moe kommen möchten. In diesen Fällen ist es sehr schwierig für uns, da Moe einfach dazu gehört. Bei einer mittlerweile guten Freundin von mir gibt sich diese Angst langsam. Ihr Bruder und auch ihre Mutter wurden von einem Hund gebissen, sie flüchtet jedes Mal, wenn sie Moe sieht.

Uns gibt es nur zusammen oder gar nicht

Mittlerweile klappt es zumindest, dass sie sich in einem Raum aufhalten und sie möchte ihre Angst unbedingt überwinden. Zu mir sagt sie immer, dass Moe der erste Hund sein wird, denn sie irgendwann mal streicheln würde. 🙂 Ich bin gespannt, wann sie sich überwinden kann.

Bei unseren Afghanen dagegen, die wir auch betreuen, ist die Abneigung extrem spürbar, vielleicht bekomme ich auch aus diesem Grund nur sehr schwer einen Draht zu ihnen. Moe ist mir einfach so wahnsinnig wichtig, dass ich das nicht ausblenden kann – so Leid mir das tut. Ich helfe natürlich trotzdem, wo ich kann – aber es wird sich wohl nie so eine tiefe Freundschaft entwickeln wie bei den anderen.

Kann ich jemanden mögen, der meinen Hund nicht mag?

Diese Frage kann ich nicht pauschal mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten. Fakt ist: Nicht mein gesamtes Leben dreht sich um Moe. Aber doch ein sehr, sehr großer Teil. Wenn mir jemand wichtig ist, dann versuche ich, mich mit der Person und ihrem Leben (gegebenenfalls auch Lebensstil) auseinander zu setzen – und das zu respektieren.

Eine richtige Bindung könnte ich wohl nicht zu jemandem aufbauen, der mit Moe so gar nichts anfangen kann. Dazu gehört für mich übrigens nicht, dass Moe ständig bekuschelt, beschenkt oder auf andere Art und Weise bespaßt wird. Aber zumindest sollte Moe als ein Teil von mir respektiert und auch so behandelt werden. Vor allem in meinem Zuhause lebt Moe – und wenn es jemandem nicht passt, dass dort mal ein Hundehaar liegt, dann muss er mein Zuhause leider wieder verlassen.

Und: Wenn ich mal ein Thema habe, dass Moe betrifft, dann erwarte ich von einem Freund, dass er sich damit auseinander setzt. Zu meinem Freundeskreis gehören fast nur Nicht-Hundehalter, aber die meisten von ihnen sind extrem hundevernarrt – und das ist irgendwie schön.

Ja, ich habe Moe schon in einen anderen Raum gebracht, weil diese eine Person Angst vor ihm hatte. Aber kurze Zeit später habe ich ihn an der Leine wieder heraus geführt. So hatte sie die Sicherheit, das Moe nicht einfach zu ihr läuft und Moe war klar: Bei dieser Person muss ich ruhig und langsam sein.

Ich kann auch lieb sein!
Ich kann auch lieb sein!

Übrigens hat Sali von it’s about DOGS and Chiru schon vor längerer Zeit mal einen Artikel dazu geschrieben, auch sehr interessant, wie sie damit umgeht: „Müssen meine Freundinnen Chiru mögen?

Wie ist es denn bei euch: Habt ihr Menschen in eurer Umgebung, die mit eurem Vierbeiner nichts anfangen können? Oder lehnt ihr solche Menschen direkt ab?

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12 Gedanken zu „Bekanntschaft oder Freund fürs Leben?“

  1. Liebe Nicole, wieder ein sehr schöner Artikel von Dir.

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich die Leute durchaus mit meinem Hund arrangieren können und ihn über kurz oder lang auch mögen. Wohlgemerkt meinen Hund, nicht unbedingt alle Hunde… 😉

    Das klappt bei Linda, die klein, wuselig und zum Teil aufdringlich ist, meist besser als damals mit dem ruhigen, sehr respektvollen und wenn man so will, wesentlich besser erzogenem Kim (Collie). Ich denke also, die Größe des Hundes spielt von vornherein auch eine wesentliche Rolle. Trotzdem war er es, der nachweislich 3 Menschen ihre Angst vor Hunden genommen hat, gerade, weil er so souverän war und ich ihnen Hundeeigenarten näher bringen und erklären konnte. Da auch er immer dabei war, mussten sie sich auch zwangsläufig an ihn gewöhnen – am Arbeitsplatz zum Beispiel kann man ja nicht immer fliehen… 😉

    Klar, wer gar nicht mit meinem Hund zurecht kommt, der wird in meinem Leben sicher keinen Platz finden (wie sollte das auch gehen?), aber arrangieren und Rücksicht nehmen tue ich schon auch, in dem ich meinen Hund zum Beispiel auf seinen Platz schicken würde, damit er den Besuch nicht belästigt.

    LG Andrea mit Linda




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    • Liebe Andrea,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich glaube auch, dass es generell mit kleinen Hunden einfacher ist. Aber es ist spannend, dass du das ähnlich siehst wie ich: Es kommt eben auf die Situation an, aber wenn es ein enger Bekannter ist (der Freund werden will 🙂 ) sollte er wohl besser den Hund akzeptieren- sonst wirds eher schwierig..

      Liebe Grüße
      Nicole




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  2. Danke für diesen Beitrag!
    Einen Blogpost mit ähnlichem Inhalt steht bei mir schon in der Warteschleife 😉
    Also, ich bin ja nun seit 10 Jahren Hundehalter und in diesen Jahren hat sich mein Freundeskreis im Grunde komplett geändert. Die, die selber einen Hund haben, sind geblieben aber alle anderen haben mir den Rücken zugekehrt. Ganz extrem war es als der 2. Hund einzog! Und diese „Freunde“ sind mittlerweile so gut wie alle Mütter geworden. Aber die konnten nie verstehen wenn ich mal einer Verabredung nicht zugesagt habe, da mein Hund nicht mit konnte!
    Aber da meine Hunde zu mir gehören wie ein Familienmitglied würde ich es nicht verstehen wenn eine meiner Freudinnen meine Hunde nicht mag! Sie müssen auch nicht umtüddelt werden aber sie sollten sich frei bewegen dürfen. Was anderes ist es wenn Angst im Spiel ist. Da würde ich es so lösen wie Du es machst.
    Aber Ren und mein Ex-Freund konnten sich so gar nicht riechen! Die haben sich wirklich bekriegt. Das war eine furchtbare Situation! Das ging sogar so weit dass Ren Schläge von ihm bekommen hat. Und das war dann einer der Trennungsgründe! Deswegen bin ich so froh dass mein Freund jetzt beide Hunde abgöttisch liebt!!!

    Es ist ein schwieriges Thema. Aber da bin ich mittlerweile echt rigoros!
    Ich bin gespannt was andere noch dazu sagen….

    Viele liebe Grüße
    Steffi mit Ren & Stimpy




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    • Hui, na auf den Beitrag bin ich gespannt! Ich finde es interessant wie sich das bei dir entwickelt hat. Es ist wirklich schwer, wenn jemand Hunde gar nicht mag… Irgendwie sind Nicht-Hundehalter ja auch irgendwie anders. 😀

      Liebe Grüße
      Nicole




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  3. Ein sehr interessanter Artikel.
    Mit der Zeit hat sich mein Freundeskreis so verändert, dass ich in der Regel nur noch mit Hundemenschen Zeit verbringe. Irgendwie hat es sich so ergeben. Es kann aber auch daran liegen, dass 90% meiner Freunde sowieso Hunde hatten oder einen Hund in ihr Leben geholt haben…
    Erst am vergangenen Montag war meine Freundin bei uns. Sie stammt aus dem Libanon und hat extremen Respekt vor Queen. Ich habe sie gefragt, ob ich Queen anleinen soll, aber sie meinte das würde schon gehen. Queen schnuppete kurz an ihr und spürte direkt, dass meine Freundin Angst hatte. Ich fand es erstaunlich, dass Queen sie die ganze Zeit in Ruhe ließ und ihr den Raum bot, den sie brauchte. Sie ließ immer genug Abstand zu meiner Freundin, sodass diese sich bereits nach wenigen Minuten wohl fühlte…
    Wenn jedoch jemand sagen würde, er fände meinen Hund absolut doof, ja dann bin ich ehrlich und weiß nicht wieviel Zeit ich dann noch gerne mti diesem Menschen verbringen möchte 😀




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    • Queen ist ja auch der perfekte Hund, um sich generell daran zu gewöhnen. Sie ist ja sehr vorsichtig mit Menschen. Moe ist da anders. Er will ja unbedingt begrüßen und angefasst werden – und leider ist das bei manchen einfach ein Problem. Und ich sehe das so wie du: Wenn jemand meinen Hund wirklich richtig doof finden würde, hätte ich ein Problem damit.

      Liebe Grüße
      Nicole




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  4. Bei uns gibt es schon einige Freunde, die nicht so gerne den engen Kontakt zu Hunden mögen … wir können damit aber auch gut umgehen. Die Hunde gehören zwar zu uns und unserem Leben, aber wir können auch etwas ohne sie unternehmen. Daher bleiben unsere Beiden bei manchen Besuchen die wir machen halt daheim – dafür richten sich unsere Besuche dann auch nach Gassizeiten und dauern nicht so lange 🙂
    Bei uns daheim gibt es manchmal Situationen, in denen ich es für angebracht halte die Hunde in ihr Zimmer zu bringen – aber dann eher zur Entspannung für die Hunde denn zur Entlastung unserer Besucher.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Damon und Cara




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    • Liebe Isabella,

      ich stimme dir bei beidem zu: Wir machen auch Dinge ohne Moe und ich habe Moe auch schon mal aus dem Raum gebracht, weil es sonst viel zu wuselig geworden wäre (viele Menschen, einige (Klein-) Kinder. Aber wenn es eine ernsthafte Freundschaft sein soll – dann gehört für mich Moe einfach dazu.

      Liebe Grüße
      Nicole




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  5. Ein wirklich schöner Beitrag. Bei uns gibt es auch immer wieder Gäste, die sich vor Charly fürchten. Als Sofortmaßnahme nehme ich ihn an die Leine. Wenn das nicht hilf, wird er für kurze Zeit in einen anderen Raum gebracht.

    Ich möchte nicht, dass jemand Angst vor Charly hat. Notfalls lege ich ihm einen Maulkorb um und führe die beiden Angsthasen, ja Charly hat manchmal mehr Angst als der Beucher, zusammen. Ich glaube, er spürt das Zögern. Außerdem achte ich natürlich darauf, dass Charly den Besuch nicht anspringt oder ihn zu sehr auf die Pelle rückt.

    Liebe Grüße
    Sonja und Charly




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    • Die Idee mit dem Maulkorb ist mir auch schon gekommen – manche haben vor allem vor Moes schwarzem Kopf Angst. Aber das kann ja nur eine kurzfristige Lösung sein, auf Dauer muss man sich auf beiden Seiten mit der Situation arrangieren, denke ich…

      Liebe Grüße
      Nicole




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  6. Liebe Nicole,

    das sind für mich zwei verschiedene Themen. Ich würde meinen Hund niemals einsetzen, um jemanden Angst zu machen, der keine Hunde kennt oder Angst vor Hunden hat. Nicht nur, dass der Respekt dies gebietet, sehe ich darin auch eine Gefahr für Socke. Denn in Panik können Menschen ganz anders reagieren. Leider habe ich in der Bloggerszene tatsächlich schon gelesen, dass man den eigenen Hund auf Fremde hetzen würde, ohne, dass es Protest gab. Aber ich schweife etwas ab.

    Ich kann also gut und gerne Rücksicht auf Menschen nehmen, die Hunde nicht kennen oder nicht mögen. Aber ich habe einen Hund und möchte mit diesem auch gerne hier frei leben. Daher bitte ich auch um entsprechendes Verständnis…. Aber das Zusammenleben der Menschen erfordert einfach Rücksichtnahme, Respekt und Verständnis. Und die gilt auch für Menschen mit Hund und ohne Hund.

    Wer mit mir aber zusammen sein möchte, der sollte Socke akzeptieren, man muss sie nicht lieben oder streicheln wollen, noch verzückt sein. Dabei muss Socke auch nicht immer dabei sei, aber ich erwarte insoweit schon etwas Verständnis. Bei mir hat sich das im Laufe der Jahre von alleine geregelt und meine Freunde und Bekannten mögen Socke. Beim Socke-nHalter gibt es drei Freunde, die keine Hunde haben und wie Männer nunmal so sind, Socke jetzt nocht sooo süß finden, sie aber akzeptieren, wenn Socke dabei ist. Der eine hatte sogar extra für uns ein Lokal zum Geburtstag ausgesucht, wo Hunde erlaubt waren. Ist doch wirklich süß, oder?

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke




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  7. Nicole ich habe deine Geschichte sehr aufmerksam gelesen und möchte meinen Teil dazu beitragen.
    Ein Mensch der Hunde nicht akzeptiert oder lieben kann, ist für mich eher schwer nachzuvollziehen. Selbstverständlich gibt es Menschen die aus irgendeinem Grund angst haben, was ich natürlich respektiere. Leider gibt es auch die Sorte Mensch, die ohne irgendein Grund Hunde nicht leiden können. Zu mir passen diese Leute nicht und ich möchte sie in meinem leben nicht haben. Was gibt es schöneres als Menschen die Tiere(Hunde)lieben? Jemand der ein Tier liebt, wird auch den Menschen aufrichtig lieben. Meine Hunde sind Familienmitglieder und ich würde niemals irgendein meiner Hunde wegsperren. Jemand der keinen Hund hat, wird dieses Gefühl niemals nachvollziehen können. Hunde sind Familie und Familie liebt man einfach!




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