An meinen Hund

An meinen Hund

Lieber Moe,

vielleicht ist es ungewöhnlich, dass ich einen Blogartikel so anfange. Aber es gibt einen guten Grund dafür.

Schließlich bist du die Hauptperson dieses Blogs, der Grund, warum es diesen Blog überhaupt gibt.

In letzter Zeit haben mich viele Dinge nachdenklich werden lassen. Sabine schrieb darüber, wie sie sich manchmal wünscht, Socke wäre jünger. Gesund und wild, tobend durchs ganze Haus. Socke ist 8. Du bist 2 Jahre jünger. Und trotzdem merke ich, wie du älter wirst.

Du genießt die Ruhe, noch mehr als früher. Du suchst viel Körperkontakt, möchtest gerne die ganze Zeit in unserer, in meiner, Nähe sein. Die Tür zum Garten steht dir immer offen, wir dachten, das wäre dein Paradies. Stattdessen bleibst du lieber drin, wenn wir auch nicht raus gehen.

Hätte ich dich gerne als Welpe erlebt? Oh ja. Diese riesigen Pfoten und der Bollerkopf, alles nicht passend zu dem kleinen zierlichen Körper – ich würde so gerne wissen, wie du als kleiner Hund warst.

Mein lieber Moe, du gibst mir so viel. Stärkst mich, lenkst mich ab. Gibst mir Ruhe. Von dir habe ich viele Dinge wieder neu gelernt, das Aufstehen zum Beispiel. Es gab eine Zeit, da konnte und wollte ich den ganzen Tag nicht aufstehen.

Das Leben war einfach zu viel in dem Moment. Du hast mich angestupst, deine Lefzen waren hochgezogen (menschlich gesprochen: Du hast über beide Backen gegrinst) und mir gezeigt: Hey, das Leben wartet draußen! Danke. Du hattest Recht.

Aber nicht nur die großen Sachen hast du mir gezeigt. Auch die kleinen Lektionen waren wichtig: Wenn man schon gegen den Wind pinkelt, sollte man dabei Haltung bewahren. Und: Wenn ein Ball kaputt geht, sei nicht traurig, nimm den nächsten.

Unsere Spaziergänge haben keinen Zeitdruck mehr, meistens jedenfalls. Wenn es schnell gehen soll, weil du ausnahmsweise keine Lust hast: Ok, dann geht es wieder heim.

Meistens hast du aber gute Tage und die Spaziergänge mit dir sind wunderschön. Du trottest in unserem Rhythmus neben mir her, manchmal auch vor oder hinter mir. Immer abgesichert mit einem Blick in meine Richtung, um mich ja nicht zu verlieren.

Wenn uns andere Hunde begegnen, schaust du mich an. Sagst mir mit deinen Blicken: „Kommen wir da irgendwie dran vorbei? Ich will keinen Ärger.“ Manchmal klappt es. Dann bin ich stolz auf uns beide.

Wir haben gelernt, mit deinen Macken umzugehen. Du arrangierst dich mit unseren. Und die sind sicher zahlreich, in deinen Augen. Hallo, wer muss schon vor seinem vollen Napf „Sitz“ machen?

Ganz ruhig!
Ganz ruhig

Ich behaupte, ich verstehe dich relativ gut. Längst nicht so gut, wie du mich. Aber ich hoffe, ich habe noch ein bisschen Zeit, dich weiter kennen zu lernen.

Der zweite Blogartikel, der mich sehr nachdenklich und traurig gemacht hat, war von Isabella. Sie hat einen Gastartikel geschrieben, der mich nicht mehr loslässt. Darin berichtet sie von ihrem verstorbenen Hund Dingo.

Ich weiß, dass deine Zeit nicht unendlich ist. Und irgendwie weiß ich meistens auch, dass du wahrscheinlich noch vor mir gehen musst. Dann dieser Kloß im Hals, diese Eisenfaust um mein Herz. Ich möchte schreien, ganz laut: NEIN! Nein. Nicht jetzt. Nicht darüber nachdenken.

Rational betrachtet, bist du nur ein Hund. Aber du weißt, das bist du längst nicht nur.

Nun liegst du gerade schnarchend auf deinem Kuschelsack neben mir. Zwischendurch stupst mich im Traum deine Pfote an, kurze Kontrolle, ja sie ist noch da. Was du wohl träumst?

Moe, wir werden noch einige Abenteuer gemeinsam erleben, viele Kuschelstunden haben und überlegen, wie wir die verhasste Nachbarskatze gemeinsam aus unserem Garten und von unserem Teich fern halten können.

Und irgendwann, wenn es Zeit ist, werde ich dich gehen lassen, vielleicht mit einem großen Tag, so wie Dukey ( ich weiß, dass dir das gefallen würde – Burger, Wasser zum Plantschen und alle deine Lieben um dich herum). Vielleicht wird es auch ein leiser Abschied. Wie es auch wird: Darum kümmern wir uns, aber nicht jetzt.

Danke, dass du mich gefunden hast. Danke, dass es dich gibt.

In Liebe, dein Frauchen

Danke.
Danke.
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