30 Jahre, kein Haus, kein Kind – aber einen Hund!

30 Jahre, kein Haus, kein Kind – aber ein Hund!

Im Dezember war der gefürchtete Tag da. Die Null kam unaufhaltsam näher, die 3 wollte unbedingt an die Stelle der 2 treten und ich: Ich hatte so gar keine Lust darauf. Eine Woche vor meinem Geburtstag herrschte bei mir Weltuntergangsstimmung. Aber nicht aus den üblichen Gründen.

30, kein Haus, kein Kind – aber ein Hund!

Anja von Frau Alma hatte im November darüber geschrieben. Wie merkwürdig die Umwelt eigentlich ist, wenn man ein gewisses Alter hat und statt Kinder zu zeugen und eine Familie zu gründen – das einfach mal nicht macht.

Einen anderen Weg geht – ohne den „klassischen Weg“ auszuschließen. Aber sich nicht an eine feste Zeit hält, „weil das eben alle so machen“.

 

So sind wir.
So sind wir.

Ja, es stimmt: Ab einem gewissen Alter werden die Fragen laut. „Wann kommt der Nachwuchs?“ – eine recht unverschämte Frage.

Genauso wie das häufig ungewollte Streicheln des Schwangerschaftsbauches, drängen sich gewisse Leute gerne auf. Meist sind es wohl die Großeltern einer Familie, die damit anfangen.

30 Jahre, kein Haus, kein Kind, aber ein Hund
30 Jahre, kein Haus, kein Kind, aber ein Hund

Aber auch meine Mutter brachte das Thema eine Woche vor meinem Geburtstag auf den Teppich. 30 wäre ja ein schönes Alter, und wenn dann der Nachwuchs… Halt, stopp. Wir haben schon Nachwuchs. Einen mit Fell.

Ich habe gesehen, wo es hinführt, wenn man sich beeinflussen lässt. Ich kannte jemanden, der wollte das volle Programm: Ehemann, Haus, Kinder.

Warum? Weil alle das so machen. Nein, danke. Nicht mit mir. Wäre ich denn glücklicher? Mit Sicherheit nicht.

Warum der 30. Geburtstag so ein Weltuntergang war

Mein Standpunkt zu Haus, Familie, Kindern ist klar. So klar, das ich nicht verstehe, warum andere immer noch versuchen, mir ihr eigenes Leben schmackhaft zu machen. Denn ich habe ganz andere Sorgen.

Ich bin ein Spätentwickler, was den Job angeht. Bis zum Abitur habe ich mich durchprügeln lassen – danach kam die Uni, die ich wohlweislich sehr weit weg vom Elternhaus anfing. Ich wusste genau: Entweder München oder ganz hoch in den Norden – jedenfalls so weit weg, wie es irgendwie geht.

Die grobe Geschichte kennt ihr. Ich habe neben meinem Studium gearbeitet und war in der Praxis immer glücklicher als in der Theorie. Aber eine Ausbildung wäre noch nicht in Frage gekommen. Zu sehr machte ich mir Gedanken, was dann aus mir werden würde, was meine Eltern von mir halten würden (nicht viel, zumindest in der ersten Zeit meiner Ausbildung).

Irgendwann brachte ich den Mut auf, meine Eltern zu enttäuschen. Ich fing meine Ausbildung an. Moe war damals schon fester Teil unserer kleinen Familie, auch etwas, was vorher nicht denkbar gewesen wäre. Ich wurde stärker, fand den Mut, allen entgegen zu treten, die mir sagten: „Warum hast du nicht fertig studiert?“

Natürlich war die Ausbildung ein kleiner Schritt zurück. Aber es war keiner, den ich bereut hätte. Außer kurz vor meinem 30. Geburtstag.

Ich schmeiß alles hin und werd Prinzessin.
Ich schmeiß alles hin und werd Prinzessin.

Nicht gut genug zu sein, sich zu fragen, was hätte sein können – ich bin 30! Und habe – Nichts.

So stimmt das natürlich nicht. Ich habe viel. Im Vergleich mit anderen ist es aber vielleicht nichts. Und ist es nicht genau das, an dem wir uns messen – an anderen?

An denen, die ein Haus haben (das ich gar nicht will)? An denen, die ein gutes Einkommen haben und nicht jeden Euro umdrehen müssen? An denen, die vermeintlich so glücklich sind, während ich immer wieder Tage habe, an denen ich mich in ein Loch verkriechen möchte?

Nun, das kam alles hoch, eine Woche vor meinem Geburtstag. Und ich fragte mich, was ich eigentlich wirklich will. Ich hinterfragte jede Entscheidung und schloss Frieden. Ich kann nicht zurück gehen und Dinge ändern.

Egal, was es wäre: Sei es Moes Erziehung, mein Studium, andere Entscheidungen: Nichts lässt sich zurück nehmen. Aber vieles lässt sich besser machen.

Ich habe beschlossen: 2017 wird mein Jahr. Und egal, ob ich jetzt 30 bin, Dinge nicht habe, die andere haben, härter arbeiten muss als andere, weil es eben das Los des Selbstständigen ist – ich bin einen anderen Weg gegangen, werde weiterhin einen anderen Weg gehen.

Ein Hund, kein Haus, keine Möbel: Na und?

Unser Lebensstil wird wohl selten gesellschaftlich akzeptiert werden. Es gibt sie zwar, die Menschen, die unvoreingenommen jeden Lebensentwurf akzeptieren.

Aber gerade unsere Elterngeneration, die auf Beständigkeit und alte Werte setzt, wird durch andere Lebensmodelle ziemlich durchgerüttelt.

Ein Hund während des Studiums? Für viele schon ein No-Go. Unser Tierheim hätte uns damals zum Beispiel keinen Hund anvertraut, obwohl ich finde, dass Studenten sich durchaus auch gut um ihr Tier kümmern können. Mit dem Hund nicht in die Hundeschule? Katastrophe. Man sieht ja auch, was daraus geworden ist.

Aus der Ausbildung direkt in die Selbstständigkeit? Absolutes Risiko. Mit dem Lebenspartner zusammenarbeiten? Auf keinen Fall.

Unser Weg ist nicht leicht. Aber wir gehen ihn gemeinsam.
Unser Weg ist nicht leicht. Aber wir gehen ihn gemeinsam.

Unser Weg ist sicherlich nicht der Leichteste. Das war er noch nie, seit 2007 ist es eine Achterbahnfahrt. Und trotzdem haben wir es immer irgendwie geschafft – ohne uns an zeitliche Abläufe, Konventionen oder „Das macht man so“ zu halten.

Ich bin 30. Ich bin kinderlos. Ich habe kein Haus und bald keine Möbel mehr. Und trotzdem: Ich bin kein Penner. Es ist gut so, wie es ist.

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